StimmeN Aktuell zur Papstrede - Eine Klarstellung
20.09.06
Von: M.A.
Kategorie: POLITIK, StimmeN Aktuell
"Die Wahrheit erkennen nur diejenigen, die sich des Verstandes bedienen"
Sura 13, Ajah 19
Seine Eminenz Papst Benedikt XVI.,
ich bedauere die Geschehnisse der letzten Tage. Ich würde mich gerne (wenn ich dazu befugt wäre) im Namen meiner Glaubensgeschwister für ihr übertriebenes und unwürdiges Verhalten entschuldigen.
Es trifft mich persönlich, wenn ich einsehen muss, dass die Botschaft Muhammads einen Teil seiner Gemeinde nicht erreicht zu haben scheint.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ich mit dem Inhalt ihrer Rede vollkommen einverstanden bin. Im Gegenteil, ich finde sie ziemlich enttäuschend.
Durch die unkommentierten Zitate entstand für mich der Eindruck, dass Sie den Islam für eine Religion halten, in der der Verstand keinen Stellenwert besitzt. Außerdem ärgerte mich die Übersetzung Dschihad mit "Heiliger Krieg", weil das kein muslimischer, sondern ein von den Kreuzfahrern geprägter Begriff ist. Der Islam kennt keinen Heiligen Krieg!
Ich war enttäuscht und verärgert. Ich hatte den Eindruck, dass Sie auf Kosten einer anderen Religion, in diesem Fall dem Islam, die Ihre profilieren wollten. Denn natürlich hätten Sie auch ohne Schwierigkeiten über die geistigen Fehltritte der katholischen Kirche sprechen können. Auch zum Begriff "Heiligen Krieg" wäre sicher etwas von christlicher Seite zu sagen gewesen. Wenn ich allein an die Päpste denke, die die Massen zur "Befreiung" des "Heiligen Landes" aufriefen.
Sie haben jedoch - und ich nehme mal an, sehr wohl bewusst - den Islam als abschreckendes Beispiel gewählt.
Mein Ehrgeiz war geweckt! Ich wollte gerne klarstellen, dass die von ihnen genannten Zitate vorurteilsbeladen sind (allein das im genannten "Dialog" der Perser kaum zu Wort kommt und wohl von vornherein klar war, wer hier "gewinnen" muss) und die Aussage, die daraus entstand, unwahr ist. Mit diesem Gedanken machte ich mich daran Material aus dem Koran und den Aussprüchen des Propheten Muhammad zu sammeln.
Lange musste ich nicht suchen. Das Problem war eher eine Auswahl zu treffen. Ich entschied mich für drei Verse aus dem Koran:
"Dein Herr hat aus dem Rückgrat der Kinder Adams Generationen hervorgebracht, die aufeinander folgten. Er hat ihnen den Verstand gegeben, damit sie Gott erkennen können und über sich selbst gleichsam Zeugnis ablegen, indem Er sie fragte: "Bin Ich nicht euer Herr?" Darauf antworteten sie: "Doch, wir bezeugen es (da wir durch unseren Verstand die Wahrheit über Gott erkannt haben.)" Das haben Wir so verfügt, damit ihr am Jüngsten Tag nicht sagt: "Wir haben die Wahrheit über Gott nicht erkennen können."
Sura 7, Vers 172
"Und folge nicht dem, worüber du über kein Wissen verfügst! Gewiss, das Gehör, das Sehen und der Verstand, all diese werden von ihm (vom Menschen) zweifellos verantwortet."
Sura 17, Vers 36
"Die übelsten Lebewesen sind nach Gottes Urteil die, die sich absichtlich taub und stumm stellen, die, die sich des Verstandes nicht bedienen."
Sura 8, Vers 22
Und drei Überlieferungen des Propheten Muhammad:
"Weisheit ist mein Kapital,
Der Verstand der Grundsatz meiner Religion
Die Liebe mein Fundament
Sehnsucht mein Reittier
Gedenken des einzigen Gottes mein Wegbegleiter
Vertrauen mein Schatz
Trauer mein Gefährte
Wissen meine Waffe
Geduld mein Gewand
Zufriedenheit meine Beute
Armut mein Stolz
Enthaltsamkeit mein Handwerk
Gewissheit meine Stärke
Wahrhaftigkeit mein Fürsprecher
Gehorsam mein Lebensunterhalt
Und mich bemühen meine Wesensart
Meine Freude aber liegt im Gebet!"
"Als Gott den Verstand schuf, prüfte er ihn. Dann sprach er zu ihm: "Tritt vorwärts", und er trat vorwärts. Darauf sprach er zu ihm: "Tritt rückwärts", und er trat rückwärts. Hierauf sprach Er: "Ich schwöre bei meiner Erhabenheit, dass keine Schöpfung mir näher steht, als Du es bist und ich hab Dich nur in jenen vervollkommnet, die ich liebe…"
„Strebt nach Wissen und schmückt euch darüber hinaus mit der Fähigkeit über die Fehler der anderen hinwegzusehen...“
Doch leider reagierten zur gleichen Zeit einige Muslime ohne Verstand und ohne jegliche Bereitschaft über Fehler anderer hinwegzusehen. Das traf mich tiefer als die ungerechten Worte des byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaeologos. Denn genau mit diesem Verhalten scheinen sie die kaiserliche Meinung über den Islam zu bestätigen. Zum Glück jedoch sind die Muslime nicht der Islam und Gott sei Dank ist auch der Großteil meiner Glaubensgeschwister friedliebend und durchaus fähig ihren Verstand zu benutzen. Das negative Verhalten jedoch ist es, das auffällt und jedem ins Auge sticht. Ein ungeputztes Fenster fällt auf, das klare jedoch bleibt unsichtbar.
In diesem Sinne, möge Gott uns helfen, dass die Vernunft die Oberhand gewinnt.
In Gottes Schutz und Seinem Frieden
Was Salam
M.A.
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