VIDEO Mein Bobisch und ich
09.09.07
Kategorie: Koffer, Kummer und Kismet, Video
Wenn ich heute meinen Vater über seine Migrationsgeschichte sprechen höre, dann vernehme ich ihn auf zweifache Weise, einmal als meinen Vater und einmal als den Mann, der seine eigene Geschichte von seinem hiesigen Leben hat. Es ist ein merkwürdiges Gefühl von Vertrautheit und Distanz. Jenes Gefühl, das eine Generation von der anderen unterscheidet und gleichzeitig verbindet. Mein Vater und ich haben noch einmal den Koffer gepackt und sind seine Lebensreise entlang meiner Fragen durchgegangen. Wir haben dem Kummer nachgespürt und dem Kismet Raum gegeben.
Ein Rabbi hat mal gesagt: „Das Vergessen wollen, verlängert das Exil und das Geheimnis der Lösung heißt Erinnerung.“ In oralen Kulturen sind es Erzählungen von einer Generation zur anderen, die die Geschichte der Menschen ausmachen. Ich bin mit meinem Vater ein Stück seiner Erfahrung durchgegangen und muss dem offenbar klugen Rabbi Recht geben.
Das Video kann auf Youtube.com gesehen und kommentiert werden.
Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=UWOekVg2de8
Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=IyYC9qj9oGc
"Mit Koffer, Kummer und Kismet" - Serie
Auf Muslimische-Stimmen.de frischen Kinder, Neffen und Enkel die Erinnerungen der ersten Generation auf und reden mit ihnen über ihre Ankunft in Deutschland, ihre Beweggründe und Emotionen.
Wenn Sie Interesse haben bei dieser Serie mitzumachen, kontaktieren Sie uns und wir helfen Ihnen das Gespräch (in Form von Video, Text oder Audio) zu dokumentieren.
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FRAGEN/KOMMENTARE VON LESERN
13.04.2008
Liebe Idil Efe, ich bin Ihnen dankbar, durch Ihren Film einen Blick "hinter die Gardinen" bekommen zu haben, der mir sonst verwehrt ist. Ich bin 26, Deutsche und wohne in Kreuzberg in Berlin. Ich bin dankbar für die vielen türkischen und türkisch-stämmigen Menschen hier, und dass sie Teile ihrer Kultur mitbringen, die der deutschen Kultur fehlen, gerade was die kleinen zwischenmenschlichen Gesten und Kontakte angeht, eine Wärme, Fürsorge und Herzlichkeit. Auch der oftmals so liebevolle Umgang von türkischen Vätern mit ihren Kindern ist bei deutschen Männern noch wenig ausgeprägt. Gleichzeitig ist es, als würden "Türken" und "Deutsche" in Paralleluniversen leben, ähnlich wie es auch die verschiedenen Schichten hier tun, nur dass hier nicht einzelne gezielt angefeindet werden. Ich finde ich es unheimlich schwer, Kontaktpunkte im alltagsleben zu finden, die über Einkaufssituationen und ein kurzes Gespräch hinaus gehen. Die Worte ihres Vaters, sich hier nicht als Mensch gesehen zu fühlen, kann ich nachvollziehen, und finde es schrecklich. Wir Deutschen mögen reich an Technik und Geld sein, an Gastfreundschaft und Herzlichkeit Fremden gegenüber mangelt es leider viel zu oft. Die Herzlichkeit, die mir bei meinem einjährigen Aufenthalt in China entgegengekommen ist, hat mir die Kühle hier nochmal verstärkt vor Augen geführt. Ich wünschte, ich könnte etwas dagegen tun. Warum finden vor allem die lauten fremdenfeindlichen Stimmen Gehör? Ich bin froh, dass all die "Ausländer" hier sind, weil sie für mich gerade als Menschen mit eigenen Geschichten und Kulturen einen Reichtum bedeuten, ohne den ich nicht in Deutschland leben will. Und ich würde mir wünschen, mehr Gelegenheiten wie diese zu bekommen, einen so persönlichen Einblick in die Gefühlswelt der um mich lebenden türkischstämmigen Menschen zu kriegen. Vielen Dank!
11.09.07
Liebe Macherinnen, ich habe mir gerade "Mein Bobisch und ich" angeschaut: eine einfache und sehr anrührende Geschichte, ich habe wieder etwas gelernt, vielen Dank! Die Reihe "Mit Koffer, Kummer und Kismet" ist richtig gut!
Viele Grüße
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