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Solarmoscheen 13.10.12 Kategorie: PROJEKTE NOURenergie stellt Moscheen und anderen gemeinnützigen Einrichtungen seine Kompetenzen im Bereich Photovoltaik zur Verfügung. MS.de hat ein Interview mit den Projektverantwortlichen geführt.
1. Sie bieten gemeinnützigen Einrichtungen Beratung im Bereich Photovoltaik. Was hat sie dazu bewegt, diese Zielgruppe auszuwählen? Wir Muslime sind gemäß dem Islam dazu verpflichtet uns für die Gesellschaft einzusetzen. Nach einer Überlieferung vom Propheten Mohamad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, "ist der nützlichste Mensch derjenige, der den Menschen am Nützlichsten ist." Einrichtungen, wie z.B. Gotteshäuser, Krankenhäuser, Bibliotheken oder Schulen, übernehmen wichtige Funktionen in der Gesellschaft. Meistens haben gerade diese Einrichtungen geringe wirtschaftliche Kraft, sodass sie der Gesellschaft nicht mit 100 Prozent ihrer Möglichkeiten dienen können, wie es für die Menschen von Nutzen wäre. Daher möchte das NOURenergie-Team den Einrichtungen finanziell helfen, indem sie ihre Arbeiten ehrenamtlich durchführt. NOURenergie stellt sicher, dass die Organisationen den minimal möglichen Kostenaufwand in die Photovoltaikanlage investieren müssen. Gleichzeitig erhalten die Einrichtungen maximalen Nutzen: Die jährliche Last der Stromkosten werden auf die nächsten Jahrzehnte - die durchschnittliche Lebensdauer einer Photovoltaikanlage beträgt 25 Jahre - deutlich gesenkt. Die Organisationen produzieren mit der Anlage "solaren" Strom, welchen sie auch selber verbrauchen. Damit werden sie unabhängiger vom Strompreis der Energieversorger, der in den letzten Jahren durchschnittlich etwa 7 Prozent gestiegen ist. Auf diese Weise können die Einrichtungen ihre laufende Kosten reduzieren und sich daher mit mehr Budget auf ihre wesentlichen Aufgaben in der Gesellschaft konzentrieren.
2. Sie haben zwei Moscheen mit Solaranlagen ausgestattet. Haben diese Moscheen Sie angefragt oder wie sind Sie dazu gekommen? Mussten Sie Überzeugungsarbeit leisten oder wurden Ihre Vorschläge von Anfang an gut angenommen? Das NOURenergie-Team hat zuerst eine Photovoltaikanlage auf der Mevlana-Moschee in Weinheim und anschließend eine auf der Emir-Sultan-Moschee in Darmstadt errichtet. Im Gegensatz zur Darmstädter Moschee hat uns die Weinheimer Moschee direkt angefragt. Hier waren die Vorteile der Photovoltaikanlage bereits bekannt, sodass NOURenergie kaum Überzeugungsarbeit zu leisten hatte. Der Entscheidungsprozess bei der Emir-Sultan-Moschee war längerfristig. Hier haben wir dem Vorstand stetig als ehrenamtliche Berater zur Seite gestanden, um die notwendigen Informationen bereitzustellen.
3. Wie wurden die Solaranlagen finanziert und mit welchen Kosten sollte eine mittelgrosse Moschee rechnen, die eine solche Anlage installieren möchte? Die Anlage der Emir-Sultan-Moschee wurde zu ca. 75 % durch zweckgebundene Spenden finanziert. Im Gegensatz hierzu haben die Anlage der Weinheimer Moschee einige wenige Moscheemitglieder im Voraus finanziert. Der Moschee wurde quasi ein Darlehen gewährt, das gemäß dem koranischen Gebot zinslos ist. Wie groß die Anlage auf einer Moschee maximal sein kann, hängt davon ab wie groß das Dach ist. Zudem ist der Verschattungsgrad der Dachfläche entscheidend, der z.B. von Minaretten abhängig sein kann. In der Regel hat jede Moschee ein Dach mit spezifischen Gegebenheiten, die bei der Ermittlung der Anlagengröße berücksichtigt werden muss. Daher muss das Dach genau unter die Lupe genommen werden, woraufhin NOURenergie die Anlagengröße planerisch festlegt. Die Anlagengröße bestimmt letztendlich den Preis der Photovoltaikanlage. Das bedeutet die maximalen Investitionskosten können abhängig vom Dach unterschiedlich sein. Grundsätzlich kann eine Mini-Solaranlage ab ca. 5.000,- € gebaut werden.
4. Wie ist die Resonanz nach der Installation gewesen, auch in der nicht-muslimischen Bevölkerung, die in der Nähe der Moscheen wohnt? Wirken diese Projekte positiv auf das Image der Muslime in Deutschland? Wie die Resonanz der Nachbarn sind, haben wir noch nicht mitbekommen. Am 22.09.12, hat die Emir-Sultan-Moschee mit NOURenergie gemeinsam die Solaranlage eingeweiht. An der Veranstaltung nahmen auch viele Nicht-Muslime, die in erhöhtem Maß ein positives Feedback vermittelten. Die Moscheen tragen mit den Anlagen zum Umweltschutz bei. Der Umweltschutz ist eine Angelegenheit von allen Menschen, unabhängig von Rasse, Religion und Nationalität. Damit übernehmen Muslime in der Gesellschaft Verantwortung und leisten gleichzeitig ihren Beitrag zur gesellschaftlichen Integration.
5. Verbinden Sie Ihr Engagement für erneuerbare Energien mit Ihrem Glauben oder hat es wenig damit zu tun? Gibt es eine muslimische Perspektive auf das Thema Umweltschutz? Die Sonne ist Allahs Schöpfung wie wir Menschen selbst. Allah erwähnt mehrmals im Koran, dass er ein Gleichgewicht in der Schöpfung gesetzt hat. Wir Menschen sind als Statthalter auf Erden verantwortlich für den maßvollen Umgang mit der Umwelt, sodass das Gleichgewicht nicht gestört wird. Leider schreitet der Mensch seit etwa 2 Jahrhunderten immer mehr in die Balance ein und produziert Ungleichgewichten. Das Ergebnis ist beispielsweise die Klimaerwärmung. Das Problem ist momentan, dass die Verursacher der Klimaerwärmung nicht die Auswirkungen dieser zu spüren bekommen, sondern etwa der arme Bauer in Afrika oder Asien durch ausgetrocknetem Boden. Die fossilen Energieträger, wie Kohle oder Erdöl, sind durch die Energiegewinnung, bei der Schadstoffe in die Umwelt ausgestoßen werden, ein großer Umweltverschmutzungsfaktor. Wieso sollten wir Menschen also nicht das Sonnenlicht, das jedes Jahr größte Mengen an Energie unserem Planet zur Verfügung stellt, zur Stromerzeugung nutzen? Hierbei entstehen keine umweltbelastendene Stoffe und zudem "schreibt die Sonne keine Rechnung". Das energiereiche Sonnenlicht ist nach den jetzigen wissenschaftlichen Erkenntnissen für menschliche Maßstäbe nahezu unbegrenzt verfügbar: Etwa 5.000.000.000 (Milliarden!) Jahre. Dahingegen sind unsere jetzigen Energieträger, die die konventionellen Kraftwerke zur Stromerzeugung nutzen - wie z.B. Kohle -, nach aktuellen Schätzungen noch nicht einmal 50 Jahre vorhanden, wenn der aktuelle globale Stromverbrauch anhält. Daher gibt es keinen sinnvollen Weg an den erneuerbaren Energien vorbei - aus islamischer und allgemein menschlicher Sicht.
6. Stellen Sie unter in Deutschland lebenden Muslimen einen Mentalitätswechsel hinsichtlich des Umweltschutzes fest? Im Islam ist der Umweltschutz fest verankert, hierüber gibt es einen klaren Konsens unter den Muslimen. Daher ist es vermeintlich leicht einen Muslim davon zu überzeugen, sich für den Schutz der Umwelt einzusetzen. Selbstverständlich kann diese Aussage nicht verallgemeinert werden, da der Mensch grundsätzlich abhängig von seiner Bildung, seinem Intellekt oder seinem sozialen Milieu agiert. Dem NOURenergie-Team fällt auf, dass besonders den Muslimen, die sich intensiver mit dem Islam beschäftigen, der Umweltschutz wichtig ist. Leider fehlen uns Muslimen derzeit vermehrt an praktischen Umsetzungsprojekten, die mittlerweile vereinzelt ins Leben gerufen werden. Neben unserem Team NOURenergie ist beispielsweise HIMA e.V., inspiriert durch die islamische Umweltethik, bezogen auf den Einsatz für ökologisch, nachhaltigeres Umweltbewusstsein in der Gesellschaft sehr aktiv.
6. Welche Einrichtungen werden Sie in einer näheren Zukunft austatten? Wir schauen uns derzeit um, welche Einrichtungen von der Solartechnik noch profitieren können. Anfragen sind jederzeit willkommen und können direkt über unsere Webseite www.nour-energie.de gestellt werden.
Interview: Clémence Delmas
Kontakt: E-Mail: info(at)nour-energie.de Website: www.nour-energie.de |