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S-Bahngespräche zwischen Mini-Rock und Verschleierung 06.10.11 Kategorie: ERFAHRUNGEN Eines Donnerstag abends, das Wetter ist wunderbar, doch trotzdem bin ich froh, dass ich ein langärmliges T-Shirt anhabe, weil ich eine Frostbeule bin. Wir warten am S-Bahnhof Tempelhof auf die Bahn. Eine Frau habe meine Schwester angelächelt. Sie ist vor kurzem aus der Türkei angereist, um mit ihren Kindern Ferien zu machen. Verunsichert erzählt sie mir, dass sie diese Frau ja gar nicht kennt und warum sie angelächelt wird. Ich erzähle ihr, dass es ein Zeichen von Solidarität sein kann und kläre sie etwas auf über die Zustände in Deutschland, die sarrazenen Gedanken, Befürworter, Gegner und die ganze Integrationsdebatte samt der Islamophobie, die zur Zeit herrscht. Natürlich wissen wir immer noch nicht, warum sie gelächelt hat. Wie dem auch sei, wir stiegen dann endlich in die S-Bahn ein.
Eine andere junge Frau machte uns Platz und wir setzen uns genau ihr gegenüber. Sie fing an, an ihrem Mini-Rock rum zu zupfen, versuchte vergebens, es runterzuziehen. verwundert beobachtete ich sie dabei und dann machte sie noch eine Bewegung, wo ich mich wirklich nicht mehr zurückhalten konnte und ein lautes Lachen von mir gab. Sie hat nämlich ihre Tasche genommen und auf ihre Beine getan, um diese zu bedecken. Man sah ihr an, dass sie sich vor ihrer fast halbnackten Kleidung schämte. Ich begann zuerst mit ein wenig Sarkasmus: „Neeein, der Rock ist nicht zu kurz“, sie brauchen es gar nicht runterzuziehen“. Sie sagte dann, dass sie sich schäme vor uns, weil wir ja so bedeckt seien. „Das brauchen Sie nicht, jeder so, wie er will“ entgegnete ich ihr, um sie zu beruhigen, dass unsere Kleidung nicht verbindend für sie sein muss. „Doch, ich fühle mich total nackt neben ihnen, bei mir ist ein Schamgefühl hoch gekommen, als ich sie sah“ antwortete sie. Daraufhin sagte ich ihr: „naja, so bedeckt sind wir nun auch wieder nicht, neben den Burka-Trägerinnen sind wir ja auch fast nackt.“ Oh ja, die sind noch bedeckter, die haben ja nur einen Schlitz für die Augen, teilte sie uns ihr Wissen über Burka mit. „Aber trotzdem, ich fühle mich nackt neben Ihnen…“ ich würde Sie gerne etwas fragen, aber bitte bitte nicht falsch verstehen, ja?“ sagt sie. Bitte schön! Und jetzt kommts: „Ist Ihnen nicht warm?“. „Nein, uns ist nicht warm“. „ Auch nicht am Kopf?“ - Nö, absolut nicht, vllt haben wir uns daran gewöhnt“.
Diese Frage, ob uns nicht warm unter dem Kopftuch ist, bekomme ich seit Jahren und dachte mir, bitte bitte nicht schon wieder diese Frage stellen, etwas Originelleres wär mir lieber. Doch das änderte nichts daran, dass ich diese junge Frau total angenehm fand. Bei ihr herrschte eine pure Unsicherheit. Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen, dass wir es ausgelöst haben. Nun war ich aber mit dem Fragen dran. „Ist Ihnen nicht kalt?“. „Neein, im Gegenteil, mir ist total warm“. „Auch nicht an den Armen?“ – Nein, auch nicht. Ich komme gerade von der Arbeit und mir war nur heute Morgen total kalt, auch an den Armen, aber jetzt hab ich endlich Feierabend. Es war ca 22.30 Uhr. „Ich muss über Sie schreiben“, sagte ich ihr noch zum Schluss.
Ich weiß wirklich nicht, was ich davon halten soll. Gespräche in S-Bahn, Bus oder auf der Straße, die Kommunikation finde ich wunderbar. Auch kommt es bei mir sehr oft vor, es sind die verschiedensten Gesprächsthemen, doch dieses Mal war es angenehm, tragisch und komisch zugleich. Tragisch, weil mich das schlechte Gewissen gepackt hat. Was veranlasste diese junge Frau mit dem Mini-Rock dazu, sich vor uns zu schämen. Wenn sie völlig andere Werte hat als wir, die man sich gegenseitig zugestehen sollte, warum hatte sie das Schamgefühl gepackt. Auch ist die Frage berechtigt, ob wir, die einen Schleier tragen, uns schämen vor Frauen, die keines tragen. Meine Antwort lautet nach wie vor „Jedem das Seine“. Die Vielfalt ist doch was Schönes und es regt zum Gespräch an, man interessiert sich für sein Gegenüber, doch schämen sollte sich keiner für seine Kleidung.
KOMMENTARE VON LESERN: Liebe Autorin, |