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PM: Muslime in Berlin: Gut integriert im Alltag und trotzdem außen vor?
25.01.10

Kategorie: BERLIN

Der Beauftragte des Senats für Integration und Migration teilt mit:

Muslime in Berlin: Gut integriert im Alltag und trotzdem außen vor?

Das "At Home in Europe Project", ein Programm des Open Society Institute in London (OSI) hat eine neue Studie über Muslime in Europa mit dem Titel 'Muslims in Europe' veröffentlicht. Zu den 11 untersuchten europäischen Städten zählt neben London, Paris und Amsterdam, auch Berlin. Anlässlich der Vorstellung der Studie am heutigen 25.1.2010 erklärt Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening:


"Die At Home in Europe - Studie bestätigt das Grundmuster, das auch in anderen Untersuchungen auftaucht: In Berlin identifizieren sich die Muslime überaus stark mit ihrer Nachbarschaft und mit ihrer Stadt - etwa im Unterschied zu Paris. Geht es aber um die nationale Identifikation, ist Deutschland das europäische Schlusslicht. Nur rund ein Viertel der Muslime in Berlin und Hamburg identifizieren sich mit dem Land - im Gegensatz etwa zu London, wo 72% der Muslime eine starke Identifikation mit dem Land angeben.
Hier spiegelt sich nicht etwa ein besonderer Integrationsunwillen der deutschen Muslime oder gar die Ablehnung des deutschen Verfassungswesens wider, sondern hier zeigen sich die Folgen einer viel zu spät begonnenen und halbherzig geführten Anerkennungspolitik."

Wie tiefgreifend das Gefühl bei vielen Muslimen ist, trotz aller Integrationserfolge ein Fremdkörper zu sein, zeigt sich daran, dass nur 11% der befragten Muslime glauben, sie werden von anderen Deutschen ebenfalls als solche betrachtet. Der europäische Durchschnitt liegt hier bei 25%, in London haben 40% das Gefühl, dass die Briten sie als Mit-Briten anerkennen.
Dieses ist das wirklich alarmierende Ergebnis der At Home in Europe - Studie. Denn der gefühlte Ausschluss, der hier zum Ausdruck kommt, wird gerade in Berlin der Lebenswirklichkeit nicht gerecht. Auch wenn die fehlende deutsche Staatsangehörigkeit verhindert, dass die Mehrheit der Muslime etwa über das Wahlrecht Einfluss nehmen kann und damit für die Politik zum wirklich Ernst zu nehmenden Faktor wird, nimmt das zivilgesellschaftliche Engagement von Muslimen zu und sie sind längst selbstverständlicher Teil des Berliner Alltags.
In den letzten 10 Jahren hat gerade in Berlin eine breite Einbeziehung muslimischer Strukturen in die Stadtgesellschaft stattgefunden. Muslime engagieren sich aktiv im Stadtteil, die Zusammenarbeit mit Volkshochschulen oder Trägern der freien Wohlfahrtspflege vor allem im Bereich der Erziehung und Bildung ist heute für viele Gemeinden eine Selbstverständlichkeit. Islamische Feiertage gehören zur Normalität. Vor Ort kooperieren Moscheegemeinden mit säkularen Einrichtungen und auf Landesebene sitzen im Islamforum islamische Vertreter mit dem Senator für Inneres und anderen Senatsverwaltungen an einem Tisch; das Recht auf eine sichtbare Moschee ist unbestritten.
Aber offenbar haben diese Entwicklungen nicht ausgereicht, bei der Mehrheit der Muslime ein Gefühl von Dazugehörigkeit zu entwickeln.
Eine wachsende Zahle von Muslimen fühlt sich in Abseits gedrängt, egal welche Anstrengungen sie unternehmen, in die Mitte der Gesellschaft zu gelangen. Die langjährigen und vielfältigen Ausgrenzungserfahrungen haben bei vielen, so muss die Studie wohl interpretiert werden, zu Resignation und Passivität geführt. Muslime sehen sich zunehmend nicht als Mitgestalter, sondern ausschließlich als Opfer von gesellschaftlichen Verhältnissen.
Piening: "Wir haben es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, Muslime hier wirklich heimisch werden zu lassen. Die Einbürgerung des Islams ist und bleibt die große gesellschaftspolitische Aufgabe. Die At Home in Europe - Untersuchung zeigt, dass beide Seiten gefordert sind:

Die Politik muss der Islamfeindlichkeit und der undifferenzierten Unterstellung vermeintlicher Integrationsunwilligkeit von Türken und Arabern wirkungsvoll Einhalt gebieten, denn diese Verknüpfung trägt zu dem stereotypen Bild von den "fremden" Muslimen folgenschwer bei.

Der Rückzug von Muslimen aus der gesellschaftlichen Debatte bietet allerdings keinen Ausweg aus der Isolierung. Resignation und Überbetonung der Opferrolle sind schlechte Berater für eine aktive Auseinandersetzung. In den Debatten um die interkulturelle Öffnung unserer Gesellschaft müssen auch Muslime bürgerrechtlich aktiver werden.
Die politische Anerkennung der Muslime, die Bekämpfung von Islamfeindlichkeit und ein selbstbewusstes Auftreten der Muslime bei der Einforderung ihrer Rechte - beides gehört zusammen, wenn diese Einbürgerung gelingen soll. Alternativen dazu gibt es nicht - zu unserer Gesellschaft gehören Muslime schon lange."

Quelle

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KOMMENTARE UND FRAGEN

 

20.12.09

Hallo. Kann es sein, daß dieser Artikel ein Bißchen einseitig auf die Dinge schaut? Gibt es eigentlich Untersuchungen zum Thema, warum, wie und wann sich migrations-stämmige Bevölkerungsgruppen selbst abgrenzen? Glaubt ihr wirklich, die Abgrenzung käme von den Nichtmuslimen allein?
Sind die Muslime wirklich so offen? So neugierig? So Deutschenfreundlich?
Wir Christ-stämmigen Deutschen sind doch auch nicht klüger oder besser, da haben wir sicher nicht die ganze Schuld an der Misere, oder?
 Wie sollen wir das alleine hinkriegen, zur Verständigung gehören ja mindestens zwei!
Man muß von beiden Seiten aufeinander zugehen.
Und man muß ehrlich versuchen, auch den anderen zu verstehen.
Wer sich ausgegrenzt fühlt, muß auch selbst versuchen, Schritte auf den anderen zuzugehen.
Darf nicht am Rand stehen bleiben oder sich nur in seine altbekannte Gruppe zurückziehen.
Genauso, wie viele Deutsche solidarisch betonen, daß sie eben keine Nazis/Migrationsfeinde sind, sollten Muslime mehr betonen, daß sie für die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von Mann und Frau sind, daß sie gegen rückständigen Islamismus ankämpfen und auch nichts dagegen haben, wie Deutsche leben.
Es ist schon auch für und sehr unangenehm, wenn wir in Blogs lesen, "ich mag den Westen auch nicht", oder "die deutschen Frauen sind %$"$%!"
Da fühlt man sich verletzt und herabgewürdigt.
Und irgendwann wird man befangen, wenn man mit seinem muslimischen Nachbarn spricht, weil man denkt, der sieht einen vielleicht genauso..
Um zusammenzukommen, müssen wir uns wirklich auf beiden Seiten bemühen. Ich würd's mir wünschen! Von Herzen.




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