|
Moscheen in Deutschland und Europa 29.11.10 Kategorie: Rezensionen In den vergangenen Jahren haben Diskussionen zum Moscheenbau in Deutschland enorm an Brisanz gewonnen. Man erinnere sich nur an die Auseinandersetzungen in Berlin oder Köln. In beiden Fällen ging es darum, dass Bürger aus der Nachbarschaft den Moscheebau stoppen wollten, da diese ihrer Meinung nach nicht in das dortige Umfeld passten. Auch für die derzeitige Integrationsdebatte und die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, sind diese Beispiele programmatisch. Die Muslime sollen sich integrieren, Deutschland als ihre Heimat annehmen und sich in die Gesellschaft einbringen, sich eben nicht in Parallelgesellschaften abkapseln. Geht es jedoch darum hier auch ihren Glauben auszuüben, in diesem Fall in Form eines Moscheebaus, so soll dies bitte nicht mitten in der Mehrheitsgesellschaft stattfinden. Wenn überhaupt, dann weiterhin abseits, in Industriegebieten und Hinterhöfen. Dass diese beiden Argumentationen nicht im Geringsten zusammen passen fällt jedem direkt auf. Eine Verschiebung der Diskussion des Moscheebaus auf eine konstruktive Ebene hat diese Offensichtlichkeit jedoch nicht zur Folge gehabt.
Gründe für abneigende Haltungen zum Bau von Moscheen liegen wie häufig auch in der Fremdheit und Unbekanntheit solcher Bauten und ihrer Gemeinden. Daher ist das Buch Mosques – Moscheen aus dem Ernst Wasmuth Verlag, entstanden aus einer Fotoausstellung, so empfehlenswert. Der Fotograf Wilfried Dechau reiste in acht Wochen in acht Städte und fotografierte acht Moscheen. Ein beeindruckendes Panorama dieser Reisen findet sich in dem Bildband wieder. Hier sieht man eine Vielfalt von Moscheen aus Deutschland. Beispielsweise die inzwischen sehr bekannte und für ihre moderne Architektur gerühmte Moschee in Penzberg, die wunderschön ausgestattete Yavuz-Sultan-Selim-Moschee in Mannheim direkt gegenüber der Liebfrauenkirche oder die eindrucksvolle Fatih-Moschee in Pforzheim. Ebenso bekommt man aber auch Moscheen zu sehen, wie die An-Nur-Moschee in Karlsruhe, welche aus einer Umnutzung einer ehemaligen Autowerkstatt hervorging oder die Moschee in Stuttgart, welche sich noch im Umbau aus einem ehemaligen Fabrikgelände befindet. Auch diese Moscheen wurden von den jeweiligen Gemeinden mit viel Liebe hergerichtet und spielen eine wichtige Rolle für die dortigen Gemeinden. Zusätzlich zu den erwähnten Moscheen gibt es noch Eindrücke aus Wolfsburg, Aachen und Hamburg.
Das Interessante an den Bildern ist, dass es Dechau zum einen schafft, die Moscheen ganz neutral im jeweiligen Stadtbild zu verorten, häufig eben in den schon erwähnten Industriegebieten, und andererseits einen Einblick in die zum Teil sehr prachtvolle Ausgestaltung der Innenräume gibt. Über die im in allen Orten entgegengebrachte Offenheit und Freundlichkeit, welche auch wunderbare Bilder der Gemeinden beispielweise beim Freitagsgebet entstehen ließen, gibt der Fotograf in einem der dem Buch vorangestellten zweisprachigen Texte (Deutsch/Englisch) Auskunft. Und so bleiben seine abschließenden Worte über die Erfahrungen der acht Wochen: „Ein Muslim werde ich deswegen noch lange nicht. Aber miteinander reden muss man. Mindestens das habe ich während der acht Wochen gelernt.“
Als weitere Publikation zum Thema Moscheebau liegt im Ernst Wasmuth Verlag seit 2008 der ebenfalls zweisprachige (Deutsch/Englisch) Band Die Moschee von Sinan – Sinan’s Mosque von Augusto Romano Burelli und Paola Sonia Gennaro vor. Zwar behandelt dieser keine zeitgenössischen europäischen Moscheebauten, hat jedoch trotzdem viel mit dem Thema zu tun, da es in der Debatte häufig auch darum geht, dass die neuen Moscheen in Deutschland sich zu deutlich an türkische/osmanische Vorbilder halten und hier eben genau an den Stil des wohl bedeutendsten Architekten der osmanischen Zeit, Mimar Sinan (1492?-1588). Dieser prägte einen Stil, welcher bis heute in vielen Teilen der islamischen Welt, insbesondere der Türkei und somit letztendlich auch in Deutschland enorme Bedeutung hat. In dem Buch werden vier charakteristische Moscheen Sinans vorgestellt: die Mihrimah-Sultan-Moschee, die Rüstem-Pascha-Moschee und die Sokollu-Moschee in Istanbul, sowie die Selimiye-Mosche in Edirne, welche als wohl bedeutendste Moschee Sinans gewertet werden darf.
Das Buch besteht neben Bildern der Originalbauten aus vielen Architekturzeichnungen und erklärenden Essays und zeigt die enorme Meisterschaft und Bedeutung Sinans auch für die Architekturgeschichte auf. Zwar wird dies die in Deutschland entstehenden Moscheen dieses Stils für den Großteil der Nicht-Muslime nicht weniger fremdartig machen, aber vielleicht kann es dazu beitragen, diese nicht als reine Eroberungsmaßnahmen der angeblichen Islamisierung Europas sondern auch als Bereicherung europäischer Architektur zu empfinden, oder zumindest die künstlerische und architektonische Leistung in ihnen zu sehen.
Mosques - Moscheen, Wilfried Dechau Ernst Wasmuth Verlag, ISBN: 978-3-8030-0702-5, 24,80 €
_____________________________________________
KOMMENTARE UND FRAGEN
1. Sollen wir mit diesen Äusserlichkeiten dumm gehalten werden. Mich würde vielmehr interessieren was in den Moscheen passiert. Was ist mit dem "Wunder von Marxloh" z.B. Was schon lange kein Wunder mehr ist. Oder hat diese Frage keine Berechtigung?
2. Für alle, denen dasselbe auf den Nägeln brennt, wie meinem namenlosen Vorgänger von vor mehr als 1 Jahr. Jedes Jahr am 3.10. ist Tag der offenen Moschee. Überall. Man muss nur hingehen, dann sieht man es.
3. Ich habe noch nie so viel Schwachsinn gelesen wie hier. Von wegen Zitat "Gründe für abneigende Haltungen zum Bau von Moscheen liegen wie häufig auch in der Fremdheit und Unbekanntheit solcher Bauten und ihrer Gemeinden." Die Abneigung kommt daher, weil von keiner Religion auf der Welt so viel Gewalt gegen andersgläubige kommt, wie aus dem Islam. Minarette und Mosheen sind Symbole Politischer Macht, und damit der Unterdrückung. Es lebe die Apostasie! |