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"Lawrence von Arabien und die Neugestaltung des Nahen Osten" von Muhammad Sameer Murtaza
25.06.09
Von:  Jörg Beyer

Kategorie: Rezensionen

Lawrence von Arabien dürfte den meisten Menschen ein Begriff sein, jedoch in der überwiegenden Mehrheit wohl wegen des Filmes mit Peter O’Toole oder seines Buches „Die sieben Säulen der Wahrheit“, auf welchem der Film größten Teils beruht. Dass es sich beide Male um eine nicht ganz realistische, eher eine geschönte Darstellung handelt dürfte schon weniger Menschen bekannt sein.

 

Muhammed Sameer Murtaza versucht in seinem Buch „Lawrence von Arabien und die Neugestaltung des Nahen Osten“ ein genaueres Bild des Lebens dieser Person zu zeichnen und insbesondere seine persönliche Zerrissenheit und Brüche aufzuzeigen. So ist es keinesfalls so, dass Lawrence von Beginn an „auf Seiten der Araber“ war und in ihrem Interesse agierte und kämpfte, sondern es ist aus Dokumenten recht deutlich, dass sein Hauptaugenmerk englischen Interessen galt und ihm wohl bewusst war, dass er den Arabern gegenüber nicht die Wahrheit in seinen Versprechungen sagte. Nichts desto trotz ist er am Ende ein geschlagener und in gewissem Sinne auch gedemütigter Mann, als deutlich wird in welchem Ausmaß arabische Interessen bei der im Titel angespielten „Neuordnung des Nahen Osten“ übergangen werden und die pure Ausnutzung ihrer Kampfkraft offen zu Tage tritt. Murtazas Behauptung: „T.E. [gemeint ist Lawrence] trug nicht die alleinige Schuld an all dem [...]“ in Bezug auf die Aufteilung der arabischen Gebiete in der Folge des Ersten Weltkriegs ist jedoch trotz der Einschränkung ein wenig übertrieben und überhöht seinen Einfluss auf das Geschehen deutlich.

 

In seiner Darstellung liefert Murtaza eine Biographie anhand von Zitaten aus den verschiedensten Quellen, wobei er sich größtenteils auf bereits vorhandene Biographien und Selbstzeugnisse von Lawrence stützt. Bis auf einige Interpretationen dieser Zeugnisse liefert er zwar keine grundlegend neue Erkenntnisse, jedoch handelt es sich um eine gut lesbare und gekonnte zusammengefasste Darstellung des Lebens einer beeindruckenden Person.

 

Eingebettet ist diese Biographie jedoch etwas unpassend in eine Art Aufruf zur Politikänderung der heutigen Zeit in Bezug auf den Nahen Osten und die islamische Welt. Gerade der religiöse Bezug scheint nicht so recht passend, da es im Leben und Wirken von T.E. Lawrence nicht die bedeutende Rolle spielte. Der Araberaufstandes während des Ersten Weltkriegs hat höchstens peripher mit religiösen Gesichtspunkten zu tun. Auch der konkrete Angriff im Vorwort auf amerikanische Politik und christliche Vereinigungen in den USA ist deutlich fehl am Platze und wird immerhin am Schluss relativiert: „Manche Politiker möchten das Wahlvolk glauben machen, wir stünden in einem Kampf der Kulturen und Religionen. Als ich die erste Auflage zu diesem Buch schrieb, war ich ebenfalls dieser Haltung zugeneigt, die in dem Vorwort zur ersten Auflage deutlich wird. Doch [...] wird deutlich, dass es sich im Grunde genommen um einen Konflikt um Territorien, Rohstoffe ,Modernisierungs- und Verteilungskonflikte handelt.

Warum diese Thematik überhaupt in dieser Biographie thematisiert wird ist jedoch nicht ersichtlich.

 

 

 

 

 

Muhammad Sameer Murtaza

Lawrence von Arabien und die Neugestaltung des Nahen Osten

Books on Demand

140 Seiten

13,- €

ISBN: 978-3837012026

 

 




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