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„Der Moslem ist erst mal kein Terrorist“ - Anmerkungen zu Henryk M. Broders Stellung zum Islam
05.12.11
Von:  Dr. Christian Rother

Kategorie: POLITIK

http://en.wikipedia.org/wiki/File:Broder_Henryk_M.-by_Steschke.jpg

Henryk Broder, 2007. Foto: Sven Teschke.

„Good humour is not only the best security against enthusiasm, but the best foundation of piety and true religion.“ (Shaftesbury: „A Letter Concerning Enthusiasm“)

 

Die Diskussion um „den“ Islam ist in den Medien weiterhin in vollem Gange, leider nicht immer übermäßig sachlich-objektiv, und zwar von beiden Seiten nicht, den Islamgegnern wie den Verteidigern. Zu den beliebtesten Strategien der Islamgegner gehört dabei eine bestimmte Form des Prooftexting, d.i. ein selektives Zitieren von Koranversen unter jeglicher Missachtung des jeweiligen Kontextes, dazu geeignet, eine einseitig negative Darstellung des Islams zu begründen und eine Differenzierung zwischen Islam und Islamismus, Religion und Missbrauch resp. Politisierung von Religion ad absurdum zu führen. Kritikern wiederum wird oftmals übereilt Rassismus oder  „Islamophobie“ unterstellt. Dabei ist schon der Vorwurf der Islamophobie problematisch, jedenfalls dann, wenn er berechtigte Kritik übergeht und – das sagt der Begriff ja aus – den anderen als mehr oder weniger gestört diffamiert. Wie Necla Kelek feststellt, suggeriert der Begriff, „dass Kritik am Islam eine irrationale, also unbegründete Angelegenheit ist“. Claus Leggewie hat daher schon vor Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei „Islamophobie“ um einen Kampfbegriff handelt, der wie nicht anders auch der des Islamofaschismus einer vorurteilslosen Debatte im Wege steht. Für Henryk M. Broder bezeichnet „Islamophobie“ schlicht einen „Phantombegriff“ (Henryk M. Broder, „Hurra, wir kapitulieren“, Paperback-Ausgabe, Berlin 2007, S. 127 im Folgenden kurz als „Hurra“).

 

            Broder gehört zu den bekanntesten Islamkritikern in Deutschland und ist erst kürzlich wieder in die Schlagzeilen geraten, als bekannt wurde, dass der Attentäter Anders Behring Breivik sich in seinem Manifest affirmativ auf ihn bezogen hatte. Wenngleich Broder sich zurecht dagegen wehrt, dass man ihm eine Verantwortung für Breiviks Massenmord in die Schuhe schiebt (s. seinen in der „Welt“ veröffentlichten Artikel mit dem etwas skurril anmutendem Titel: „Das Manifest des Anders Behring Breivik und ich“), lohnt es sich dennoch, seine Position zum Islam genauer unter die Lupe zu nehmen, schon seiner medialen Präsenz wegen.

 

            Äußerungen zum Islam finden sich bei Broder verstreut, in Büchern, Artikeln und Fernsehauftritten. Gemeinsam ist ihnen allen der sozusagen nicht nur unwissenschaftliche, sondern geradezu antiwissenschaftliche Gestus. Was er von Sachlichkeit hält, hat Broder erst vor kurzem in London bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Integrationsdebatte: Europas Zukunft – ‚Untergang des Abendlandes‘?“ sein Publikum wissen lassen: „Eine sachliche Diskussion gibt es sowieso nicht. Sachliche Diskussion ist so was wie Sex in der Ehe. Damit können Sie gleich zum Psychiater gehen“. Zwar führt der gerade von ihm selbst gepflegte, polemisch-unsachliche Stil nicht gerade zu wirklich eindeutigen, geschweige denn näher begründeten Aussagen. Um das, was Broder inhaltlich zum Islam von sich gibt, zu verstehen, braucht man anderseits sowieso keine Ahnung vom Islam zu haben; es reicht eigentlich aus, wenn man Broder kennt.

 

            Bekanntermaßen weist Broder vor allem auf Gefahren des Islamismus hin und warnt vor dem, was er „Kapitulieren“ des Westens nennt, ein gewissermaßen zu tolerantes, zu duldsames Reagieren auf islamistische Umtriebe. Diese Hinweise sind durchaus berechtigt, denn gegen Radikale und Fundamentalisten (jeglicher Couleur) muss man sich nicht nur verteidigen, entsprechende Gefahren sind zudem nicht zu verharmlosen, Ereignisse nicht zu beschönigen und ein vorauseilender Gehorsam gegen extremistische Formen ist zu verwerfen. Von den terroristischen Aktionen abgesehen, gehören zu den von Broder am häufigsten angeführten Belegen die Fatwa gegen Rushdie, die Reaktionen auf die Papstrede in Regensburg und – Broders Paradebeispiel – der Streit um die Mohammedkarikaturen (Hurra, S. 25ff). Hier lässt sich am besten ablesen, was Broder sagen will: Der Westen wird nicht nur durch gewalttätige Aktionen und Drohungen gefährdet, sondern auch eingeschränkt in seiner Freiheit, also der freien Meinungsäußerung, und zwar geschieht dies – nach Broder – durch die Kapitulation vor chronisch beleidigten Muslimen (vgl. ebd., S.25).

 

            Für welche Seite sich Broder entscheidet, für Satire und Polemik im Rahmen der Meinungsfreiheit oder für Zurückhaltung angesichts möglicher Verletzung religiöser Gefühle, dürfte jedem bekannt sein. Er selbst beruft sich in diesem Zusammenhang übrigens auf den britischen Komiker Rowan Atkinson, der schon „vor dem Karikatur-Streit frech postuliert [habe], 'das Recht zu beleidigen' sei 'sehr viel wichtiger als das Recht nicht beleidigt zu werden'“ (ebd., S.52f). Demgegenüber sei zumindest angemerkt, dass sich der Konflikt zwischen Meinungsfreiheit und Verletzung religiöser Gefühle vielleicht doch etwas komplizierter gestaltet als dass man ihn mit einem Zitat von „Mr. Bean“ meint ad acta legen zu können. Da Broder zufolge „die eine Seite immerzu [sic!] beleidigt ist und die andere allzeit bereit, solchen Aufwallungen nachzugeben“, handele es sich bei dem „'Dialog der Kulturen'“, der „'auf gleicher Augenhöhe' geführt werden muss“, schlicht um einen „Witz“ (ebd. S.61). Als Beispiele für die von ihm beanstandete Politik des „appeasement“ gegenüber gekränkten, beleidigten Muslimen führt er die Reaktionen auf die gegen die Karikaturen gerichteten muslimischen Proteste durch das PEN-Zentrum (ebd., S. 36), den damaligen Kanzler Schröder (ebd. S.37), Günter Grass (ebd., S. 32f) u.a. an. Statt Verurteilung der zum Teil gewalttätigen Proteste und Einspringen für das Recht auf freie Meinungsäußerung naive Forderungen nach einem „Dialog mit dem Islam“ (ebd., S. 34): Das ist der Kern von Broders These.

 

            Sein zwei Jahre später veröffentlichtes Buch mit dem nicht gerade bescheidenen Titel  „Kritik der reinen Toleranz“ bringt sachlich-inhaltlich kaum etwas Neues. Zum Großteil sind sogar die von Broder angeführten Beispiele dieselben. Dass es um den gleichen Punkt geht, sieht man auch an Broders Verwendung des Toleranzbegriffs. Für Broder geht es wieder bloß darum, dass wir die Auswüchse des Islamismus nicht tolerieren dürfen; d.h.: Toleranz kommt bei ihm ausschließlich vor als Dulden (Henryk M. Broder, „Kritik der reinen Toleranz“, 3. Aufl., Berlin 2008, S. 25, im Folgenden als kurz „Toleranz“). Dass der Westen toleriert, bedeutet: er duldet, oder besser noch: er duldet zu viel, er lässt sich viel zu viel gefallen. Der spätestens in der Aufklärung verwendete Toleranzbegriff, der gerade für den interreligiösen Dialog von Bedeutung ist – Toleranz im Sinne der Anerkennung des Anderen als Anderen – spielt bei Broder keine Rolle. Dass dieser Begriff, diese Ebene der Diskussion bei Broder gar nicht vorkommt und ihn auch gar nicht zu interessieren scheint, zeigt aufs Neue: Es geht wieder nur um den Islamismus, der nicht zu tolerieren (=dulden) ist, und es geht nicht um den Islam als Religion, die zu tolerieren ist (eben im Sinn von Anerkennung). Dabei hatten die von ihm so gerne herbeizitierten Aufklärer gerade auch dies im Sinn. Bei der Ringparabel aus „Nathan, der Weise“ z.B. werden ja nicht irgendwelche Taten geduldet oder nicht geduldet, sondern andere Religionen anerkannt. Zwar wendet sich Lessing auch gegen den Absolutheitsanspruch von Religion, jedenfalls sofern die gegenseitige Anerkennung eine Relativierung dieses Anspruchs zur Voraussetzung hat, jedoch betrifft dies nicht nur den Islam. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang auch an Goethes Wort: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen, Dulden heißt beleidigen.“ Aus Broders Betrachtungen hingegen ergibt sich bloß der folgende „Gedanke“: Sei nicht so blöd und lass dir von den permanent beleidigten Muslimen nicht alles gefallen.

 

            Für einen Dialog mit einer anderen Religion reicht ein solches Motto sicherlich nicht aus. Von einer echten und zielführenden Auseinandersetzung ist Broder allerdings schon aufgrund seiner für gewöhnlich recht selbstgefälligen Rhetorik meilenweit entfernt. Der vor ihm ständig vorgebrachte Punkt des Einknickens von westlichen Akteuren und Institutionen gegenüber Bedrohungen aus dem Umkreis des islamischen Fundamentalismus ist zwar berechtigt und auch geboten, löst allerdings nicht nur nicht die Probleme, sondern bringt in der Weise, in der er vorgetragen wird, zuvor schon die Diskussion nicht weiter, verhindert sie eher. Dies gilt insbesondere für die eben erwähnte, in immer neuen Abwandlungen wiederkehrende Behauptung, zu Muslimen gehöre wesentlich eine „permanente Neigung zum Beleidigtsein“ („Hurra“, S. 160). Hier zeitigt Broders Ursachenforschung übrigens Ergebnisse, die man getrost als albern beiseite schieben könnte, wären sie nicht derart abgeschmackt. So macht er als „das Hauptproblem der islamischen Männer“ nicht die „Unmoral der Europäer oder die Besetzung Palästinas“ aus, auch nicht die „Mohammed-Karikaturen“, sondern die Tatsache, „dass sie nie die Gelegenheit haben werden, Pamela Anderson auch nur mit der Spitze des kleinen Fingers zu berühren“ („Hurra“, S. 161).

 

            Sieht man, um etwas näher auf die Sachprobleme einzugehen, von derlei Impertinenz einmal ab, so ist es eines, einen Katalog von im Namen des Islams vollbrachten Untaten sowie entsprechender Reaktionen auf diese Umtriebe zu erstellen. Etwas anderes jedoch ist die immer wieder im Raume stehende Frage: Aber ist das „der“ Islam? Müssen Religion und Missbrauch der Religion nicht grundsätzlich voneinander geschieden werden? Zunächst: Angesichts der Tatsache, dass Broder diese Frage gar nicht ernsthaft stellt, drängt sich der Eindruck auf, dass sie ihn womöglich gar nicht interessiert oder für ihn bereits beantwortet ist, noch bevor sie einer (womöglich eigenen) Untersuchung unterworfen worden wäre. Das in Frage stehende Problem lässt sich mit dem Sozial- und Erziehungswissenschaftler Hartmut Krauss folgendermaßen auf den Punkt bringen: „Ist der Islamismus als religiös-totalitäre Herrschaftsideologie und Bewegung eine perfide Fälschung des 'an sich' guten, friedlichen und toleranten Islam? Oder ist der Islamismus die konsequente, wenn auch 'radikale' Formgebung des orthodoxen Islam?“. Betrachtet man Broders diesbezügliche Bemerkungen, so stellt sich schnell heraus, dass er gar nicht so deutlich (und damit dann auch mutig) ist, wie es seine heftige Rhetorik vermuten lässt. Im Gegenteil ist seine Zurückweisung der Differenz zwischen Islam und Islamismus eigentlich eher indirekt und zurückhaltend, feige eingepackt in Rhetorik, etwa wenn er mit Bezug auf den Islam immer wieder von einer in Anführungszeichen gesetzten „Religion des Friedens“ spricht, so z.B. mehrmals im „Tagesspiegel“. Dort spricht er auch von „Skeptiker[n], die es wagen, die Frage zu stellen, ob der Islam tatsächlich eine Religion des Friedens ist oder vielleicht eher eine religiös verbrämte Ideologie der Unterwerfung.“ Eine Frage ohne klar bestimmte Antwort, eine rhetorische Frage. Zu dem Anschlag auf Kurt Westergaard und dem Mord an Theo van Gogh schreibt er in der „Welt“: „Und glauben Sie wirklich, das alles hat nichts mit dem Islam zu tun?“. Auch hier umgeht er eine Antwort, denn die müsste doch etwas komplexer ausfallen. Komplexität jedoch ist Broders Sache schon gar nicht. Unverbindlich-vage ist auch eine Bemerkung aus einem Spiegel-Essay: „Der Islam, manche sagen lieber: der Islamismus, ist auf dem Vormarsch“. In dem bereits zitierten Artikel in der Welt wiederum unterstellt er Patrick Bahners die Ansicht, Islamkritiker seien per se „Paranoiker und Politkasper, die sich aufgemacht haben, um eine so friedliche, harmlose und tolerante Weltanschauung wie den Islam in Verruf zu bringen.“ Genauso rhetorisch wie die Fragen, die Anführungszeichen, das „bzw.“ und die Ironie ist schließlich Broders Vergleich der Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus mit der zwischen Alkohol und Alkoholismus („Hurra“, S.65). Diesen Vergleich hält Broder anscheinend für besonders gelungen: in einem Interview der 3sat-Sendung „Kulturzeit“ findet er sich nochmal in etwas verschärfter Form: Die „feinfühlige Unterscheidung“ sei wie diejenige zwischen Alkohol und Alkoholismus oder Terror und Terrorismus, als ob, so gibt er noch zu bedenken, das eine nicht doch mit dem anderen etwas zu tun habe.

 

            Wer meint, Broder würde wie andere Islamgegner die bereits erwähnte „Methode“ des Prooftexting anwenden und auf diese Weise die putative Gewalttätigkeit und Rückständigkeit des Islam im Koran verorten, wird eines Besseren belehrt: „Schauen Sie, der Koran ist wie die Bibel ein Selbstbedienungsladen. Sie können da herauslesen was sie herauslesen wollen“ belehrt er uns in einem Gespräch mit „planet-interview“. Angesprochen auf seine Zurückweisung der Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus, heißt es, dass letztere „willkürlich und artifiziell ist. Irgendwo muss der Islamismus ja herkommen.“ (ebd.). Richtig, von irgendwo her wird er schon kommen. Auch Broders Neigung, ständig den Islam und die Muslime zu attackieren, kommt ja irgendwo her. Etwas verwirrend ist in diesem Zusammenhang übrigens ein Interview mit der Zeitschrift „Cicero“, in dem er ernsthaft oder auch nicht ernsthaft (diese Differenz scheint bei Broder wenn überhaupt ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle zu spielen) behauptet hat: „Zunächst einmal: Ich bin kein Islamkritiker.“. Jemand, der insinuiert, der Islamismus habe seine Wurzeln im Islam selbst, und Muslime seien ständig beleidigt, ist also kein Islamkritiker. Aber vielleicht stimmt das ja sogar. Vielleicht ist Broder wirklich kein Islamkritiker; ein „Islam-Spezialist“ ist er nach eigenem Bekunden schließlich auch nicht. Wieder völlig beliebig und vage ist es, wenn Broder suggeriert, mit Blick auf den Islam sei der Versuch einer Differenzierung selbst schon ein Fall von Appeasement („Hurra“, S. 67), wo doch beide, also Islam und Islamismus, „irgendwie [zusammen]hängen“ (ebd. S. 65).

 

            In der Tat: Irgendwie hängt alles miteinander zusammen; es kommt ja, wie wir bereits gelernt haben, auch alles irgendwo her. Dass in einem solchen Geist des „Irgendwie“ und „Irgendwo“ Differenzierungen oder Analysen exotische Fremdkörper sind, die bloß stören, dürfte mittlerweile klar geworden sein. Nun erwägt Broder noch die Idee, dass „der Islamismus den Islam nicht missbrauchen, sondern ihn wörtlich nehmen könnte“ als eine „Möglichkeit, die man zumindest bedenken sollte, bevor man sie ungeprüft verwirft“ (ebd. S. 66). Die Prüfung allerdings wird man bei Broder nicht finden. Die überlässt er lieber anderen, nämlich den Islamkritikern (zu denen er, wie wir jetzt wissen, gar nicht gehört), z.B. jenem Aramech Dustdar, dem er auf seiner Internetseite  www.achgut.com eine Plattform gibt, auf der dieser dann sozusagen historisch und exegetisch (also mit Blick auf den Koran) den „Beweis gegen die Friedfertigkeit des Islams“ führen kann, den Broder anzutreten sich nicht bemüht – als ob er gerade dann, wenn es darauf ankommt, selbst kapituliert oder die (Fein)Arbeit lieber andere machen lässt. Er hat es aber auch gar nicht nötig, seine unausgesprochene und nur im Hintergrund ständig anwesende These vom prinzipiell gewalttätigen Charakter des Islams „irgendwie“ zu untermauern, da dies bereits durch andere erledigt worden ist, etwa durch den Internetblog „PI-News“. Während bei Broder ein klar bestimmbarer Aussageinhalt schon während seiner Entstehung, also sozusagen in statu nascendi, in plumper Rhetorik untergeht, ist es bei Vertretern von PI-News genau umgekehrt. So lässt PI-Stammautor Michael Mannheimer auf seinem eigenen Blog www.michael-mannheimer.info überflüssigen sprachlichen Zierrat von vornherein weg und kommt dafür umso deutlicher zur Sache, z.B. wenn er einem seiner Beiträge folgendes Zitat des PI-Bloggers Michael C. Schneider voranstellt: “Der Islam ist keine Religion, sondern (religiös gesprochen) die Anbetung des Teufels bzw. (psychoanalytisch gesprochen) die Absolutsetzung der negativen, destruktiven Seelenanteile, das Herz der Finsternis.” Nun ist Broder nicht Michael Mannheim und auch nicht „PI“. Andererseits: Hängt nicht alles irgendwie zusammen?

 

            Solch deutliche Worte wie die von PI-Bloggern wird man bei Broder vergeblich suchen. Übrigens auch hinsichtlich einer weiteren Sachfrage, die sich aufdrängt, die nämlich, ob nicht doch Hoffnung besteht, dass der Islam sich ändert und sich jener Bewegung unterzieht, von der es heißt, dass das Christentum sie bereits über sich hat ergehen lassen: Die Aufklärung. Wie also steht es nun mit der Möglichkeit einer etwas friedlicheren Variante, eines säkularisierten Islam, so wie es das Christentum – übrigens weniger aus sich selbst heraus als gegen die Aufklärung –  bereits ist? Da gibt Broder eine (wenigstens vorübergehend) klare Antwort: „Unsympathisch ist mir, dass es einfach keinen säkularen Islam gibt. Es gibt säkulare Moslems, das sind die klügsten und besten Leute, die man sich vorstellen kann, von Salman Rushdie bis Necla Kelek und von Wafa Sultan bis Ibn Warraq, Leute die genau verstanden haben, worum es geht. Aber es gibt keinen säkularen Islam“. Warum es den anscheinend  prinzipiell nicht geben kann, verrät Broder leider nicht. Und nur einige Zeilen später gibt er dann auf die Frage, ob „der Zug der möglichen Säkularisierung für den Islam denn schon abgefahren“ ist, die Antwort: „Ich weiß es nicht.“ Wieder also legt sich Broder lieber nicht fest, lässt seine Aussage im Beliebigen, dort, wo sie ihre destruktive Kraft am besten und für ihn ganz mühelos entfaltet.

 

            Fasst man Broders Stellung zum Islam zusammen, so stellt sie sich dar als eine Mixtur von  berechtigter Kritik an einer verharmlosenden Reaktion auf islamistische Auswüchse, einer einseitigen Überbetonung dieser Gefahren und einer nicht zuletzt durch Rhetorik bewirkten Uneindeutigkeit hinsichtlich der Trennung zwischen Islam und Islamismus. Zwar kommt eine Polemik ohne Pauschalisierung nicht aus. Aber ist, so kann man fragen, eine Polemik eigentlich gefragt? Brauchen wird das? Wenn Broder bei einer Tagung in Tutzing als Reaktion auf den Vorwurf der Überbetonung der gewalttätigen Aspekte des Islamismus einen Vergleich heranzieht und feststellt, dass drei Dutzend korrekt gelandete Flugzeuge keine Nachricht hergeben, ein einziges auf dem Dach gelandetes hingegen schon, tut er so, als könne man wenigstens zur Zeit gar nicht anders denn als negativ über den Islam berichten. Dass Broder durch Polemik das negative Bild des Islams mitbestimmt, ist aber keinem Naturgesetz geschuldet, sondern einem Gesetz der Medien. Was und wie er etwas thematisiert, dürfte immer noch in seiner Freiheit liegen. Drei Dutzend korrekt gelandete Flugzeuge sind langweilig, der Islam ist es sicher nicht.

 

            Dass man sowohl deutlich die Gefahren des Islamismus benennen wie auch Kritik an einer falschen Beschwichtigungspolitik üben kann, ohne automatisch den Unterschied zwischen Islam und Islamismus zu verwischen, hat z.B. Heiner Geißler gezeigt, der ebenfalls vor der „Verharmlosung“ des Islamismus (Heiner Geißler, „Intoleranz. Vom Unglück unserer Zeit“, 3. Aufl. Hamburg 2006, S. 83) und „falsche[n] Multikulturellen, die nahezu alle Menschenrechtsverletzungen tolerieren, wenn sie nur islamisch begründet sind“ (ebd. 95) warnt, aber gleichzeitig mit Bezug auf Bassam Tibi festhält: „Die Religion ist für den Islamismus ein Instrument zur Durchsetzung politischer Macht“ (ebd. 86). Von der Unterscheidung zwischen Religion und politischer Ideologie abgesehen, gilt es darüber hinaus zu bedenken, dass man zwar nicht bis ins Letzte differenzieren kann: wie andere Religionen ist der Islam ein komplexes Gebilde. Nur weil es „den“ Islam nicht gibt, da er aus diversen Strömungen, Koranauslegungen etc. besteht, kann man auf das Wort „Islam“ nicht verzichten. Sprache verallgemeinert immer, das gehört zu ihren Wesenszügen. Man sollte aber die Differenz zwischen Islam und seinen mannigfachen Strömungen, Auslegungen etc. nicht verwechseln mit der Differenz zwischen dem Islam und dem Islamismus und dann aus der (sprachlichen) Notwendigkeit der Verallgemeinerung im einen Fall das Recht herleiten, im anderen Fall nicht unterscheiden zu müssen. Ebenso wenig kann man aus der Tatsache, dass die Differenz zwischen Islam und Islamismus missbraucht werden kann, um alles Problematische der Religion aus dieser rauszuhalten und es in den Fundamentalismus zu verlegen, ableiten, dass die Differenz künstlich ist und man sie deswegen nicht mitmachen sollte (wie Rushdie es uns vorgemacht habe, „Toleranz“, S. 115). Solche Fehlschlüsse sind ebenso substanzlos wie überflüssig und machen samt ihrer absehbaren Konsequenzen einen Dialog schon fast unmöglich. An einem solchen ist Broder allerdings ohnehin nicht interessiert. Auf die Frage „Wollen Sie denn mit Ihren Büchern zum Dialog beitragen?“, sagt Broder: „Nein, ich bin kein Sozialarbeiter oder Pädagoge. Ich schreibe so etwas eigentlich nur aus einem einzigen Grund: um mir etwas klar zu machen“. Und auf die Frage, was für ihn „kultureller Dialog“ bedeute, stellt Broder fest: „Im Café sitzen.[...] Ich kann mich um keinen Dialog bemühen. Ich gehe doch nicht extra irgendwo hin, um einen Dialog mit Moslems anzufangen“ (ebd.) Und schließlich gelte, wie Broder in Anspielung auf Merkels Bemerkung über „Deutschland schafft sich ab“ meint: „Wenn Sie jetzt anfangen, Bücher danach zu beurteilen, ob sie 'hilfreich' sind oder nicht, können Sie vermutlich 95 Prozent aller Bücher einstampfen“. Wäre vielleicht mal darüber nachzudenken, ob nicht Broders Bücher in die von ihm vorgeschlagene Maßnahme miteinzubeziehen sind, zumal im Hinblick auf einen interreligiösen Dialog. Wenn dieser Früchte tragen soll, muss er jedenfalls mit Sachlichkeit geführt werden, wozu nicht zuletzt ein Mindestmaß an Differenzierung gehört, an erster Stelle diejenige zwischen Islam und Islamismus, und zwar weder aus der Freude an akademischen Spielereien heraus noch um etwas zu beschönigen, sondern schon alleine deswegen, weil man auf Basis dieser Trennung viel überzeugender und plausibler gegen den Islamismus argumentieren kann.

 

Doch wir wollen nicht unfair sein; es ist nicht so, als ob Broder nur pauschalisieren könnte; er hat z.B. (im bereits erwähnten Gespräch mit „planet-interview“) auch gesagt: „Der Moslem ist erst mal kein Terrorist.“ Na, das ist doch erst mal eine Differenzierung.

 

Erst mal.

 

Dr. Christian Rother ist freier Journalist. Er hat Vergleichende Religionswissenschaft, Anglistik und Politologie studiert und in Philosophie promoviert.

 

Henryk Broders Blog: http://henryk-broder.com/

 

Henryk Broders Bild: GFDL – GNU-Lizenz für freie Dokumentation

 

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KOMMENTARE/FRAGEN VON LESERN

 

05.12.2011

 

Sehr geehrter Herr Rother,
 
ich weiß: Im Gegensatz zu Broder sind Sie kein Polemiker, aber auch kein Gläubiger, sondern Wissenschaftler, und versuchen, Sachverhalte möglichst sachlich und von allen Seiten beleuchtend darzustellen. Bezüglich des angeführten Zitats
 
„Ist der Islamismus als religiös-totalitäre Herrschaftsideologie und Bewegung eine perfide Fälschung des 'an sich' guten, friedlichen und toleranten Islam?"
 
wäre es aber trotzdem angebracht, diese Frage zumindest in direkt zu beantworten, indem Sie auf die großenteils völlig unbekannten aber zahlreichen Ahadith hinweisen, die auf den von Mohammed prophezeihten völligen moralischen Verfall der von ihm gestifteten Lehre hinweisen!
 
Entweder diese Ahadith sind samt und sonders gefälscht, oder der Islam war ursprünglich tatsächlich vollkommen anders, als er sich heute zum großen Teil präsentiert (dogmatisch, starr, lebensfeindlich, intolerant und unaufgeklärt).
 
Beispielsweise:
(...)Die Menschen werden unwissende Leute zu ihren Führern wählen und sie um die Lösung ihrer Probleme angehen. Jene werden sie leiten, ohne selbst (den Islam?) zu kennen. Somit werden die Führer fehlgeleitet sein, und sie werden die Menschen irreleiten“ (Bukhari)
 
oder:
"Die Zerstörung des Islam wird von jungen Männern aus dem Volk der Quraish ausgehen" (15 der 18 - jungen - Attentätern des 11. September stammten aus dem Land der "Quraish", Saudi-Arabien)

 

Antwort des Autors:

Vielen Dank für Ihren anregenden Kommentar.

Mir ging es in dem Artikel primär um eine Kritik an Broder. Aus diesem Grund und auch angesichts des Formats meines Artikels habe ich der ohnehin bekanntermaßen schwierigen und komplexen Materie der Hadithe (Authentizität, Verhältnis zum Koran etc.) keine (gar argumentative) Rolle eingeräumt. Die von Ihnen genannte Alternative, also das Zitat von Krauss, diente bei mir dem Zweck, beim Leser ein Gespür, eine Sensibilität für die ebenfalls komplexe Beziehung zwischen Islam und Islamismus zu entwickeln. Krauss selbst ist ja wie Broder Islamkritiker und hält den Islam für eine Herrschaftsideologie. Sie greifen nun die erwähnte Alternative auf und ergänzen sie durch eine zweite, nämlich: entweder die von Ihnen angesprochenen Hadithe seien alle gefälscht oder der Islam sei ursprünglich doch ganz anders gewesen als heute, und heute sei er starr, intolerant, dogmatisch etc. Da ich nicht der Meinung bin, dass man letzteres so allgemein sagen kann, würde ich behaupten, dass auch die von Ihnen gemachte Alternative keine ausschließliche ist. Kurz gesagt: Die Wahrheit wird, auch wenn sich dies etwas trivial anhören mag, wahrscheinlich mal wieder eher in der Mitte liegen. Um diese Mitte näher zu bestimmen, muss man die von Ihnen angesprochenen Punkte, z.B. die Frage nach dem dogmatischen Charakter oder der Offenheit des Islam spezifizieren; da wäre dann ein Stichwort z.B. "Tore des Idschtihad". Sind die offen oder geschlossen? Und wenn sie geschlossen sind: Seit wann und durch wen? Da zeigt schon ein oberflächlicher Blick auf die Literatur, dass sich auch hier die Gelehrten mal wieder streiten. Das Bild, was sich die Wissenschaft vom Islam macht, ist darüber hinaus ebenfalls im Wandel. In letzter Zeit beispielsweise gibt es Versuche, an der Vorstellung zu kratzen, der mittelalterliche Islam habe wesentlichen Anteil an der Rezeption der Griechen. Und Philosophen wie z.B. Averroes werden nicht mehr als Beispiel für "liberale" Vertreter des Islam im Mittelalter genannt, sondern es wird darauf hingewiesen, dass Averroes' Schriften verbrannt wurden und er selbst ins Exil musste. Wie also stellt sich die damalige Zeit von heute aus gesehen wirklich dar? Dieses Bild ändert sich wie gesagt; nehmen Sie, um diesbezüglich ein weiteres Beispiel zu nennen, den Themenkomplex "Orientalismus" und Edward Said.

Abschließend würde ich sagen, dass man die von Ihnen angesprochenen Punkte nicht anhand der Hadithliteratur angehen sollte. Die Hadithe können da sicher weitere Fragen anregen und auch illustrieren. Ich selbst würde ihnen allerdings nur eine untergeordnete Rolle beimessen.

Ich hoffe, ich habe Ihre Bemerkung richtig verstanden und aufgegriffen. Vielen Dank nochmal !

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11.01.2012


Sehr geehrter Herr Rother,


ihre Ausführungen unterliegen einem grossen, alles überschattenden fehler.
es gibt weder bei den Sunniten, noch bei den Schiiten auch nur eine einzige islamische Rechtsschule, die z.b. mit unserem Grundgesetz vereinbar wäre.
Sehen Sie, ich bin Ex-Muslim und jede islamische Rechtsschule (ohne Ausnahme) befiehlt, Islamaustreter zu töten.


Sie müssen sich klarmachen, dass im bezug auf den Islam folgendes zutrifft:
"Es gibt viele liberale Muslime, aber keinen liberalen Islam".


somit kann von einem Missbrauch der religion keine rede sein, wenn es um Steinigungen und sonstige Schariastrafen, Intoleranz gegen Nicht-Muslime, Verfolgung der Islamaustreter, geringere Sellung der Frauen, Hass auf Homosexuelle, UND Fehlen von Selbstkritik und eine aggressive Reaktion auf Kritik von aussen und ähnliches geht.


Es gibt vielmehr viele Muslime, die für sich selbst weite Teile ihrer Ideologie ausser acht lassen, um in diese moderne Welt, wo Muhammad&Koran als feste, statische, unbewegliche Masse keine brauchbare Lösungen bieten, erfolgreich zu sein.


Schauen sie hingegen in die Ummah, so stellen sie folgendes fest:
Je stärker der Einfluss des Islam (egal ob sunnitisch oder schiitisch) in eine Gesellschaft, desto schlechter steht es um Frauen, Kritiker, Austreter, Nicht-Muslime, Menschenrechte, Freiheiten und Wissenschaftliche Entwicklung.
Der Islam braucht Menschen wie Broder und somit Kritik von aussen eigentlich wie die Luft zum atmen.


Grüsse.


Antwort des Autors:


Vielen Dank für Ihren kritischen Kommentar, dem ich allerdings auch widersprechen möchte. Ich kann nicht sehen, dass meine Kritik an Broder tangiert wird durch die Tatsache, dass die großen Rechtsschulen des Islam nicht konform mit dem Grundgesetz sind. Ich habe keinen Artikel über „den“ Islam geschrieben, sondern über Broders Stellung innerhalb der sogenannten Islamdebatte, insbesondere die Art und Weise, wie er diese Debatte mitgestaltet, und dieser Brodersche Stil ist unsachlich und m.E. aus diesem Grund auf die Dauer nicht hilfreich. Ich vermute, Broder hat nur ein eher oberflächliches Wissen vom Islam. Falls er sich da doch auskennt, hat er es bisher nicht unter Beweis gestellt. Man muss sicher kein Experte sein, um da mitreden zu dürfen, aber andererseits würde ein etwas weniger großtuerisches, arrogantes Auftreten der Sache auch nicht schaden. Es ist sinnvoll, inhaltlich pointiert eine Position zu vertreten, aber innerhalb eines Dialogs kann überflüssige Rhetorik und Polemik auch zu einer Verhärtung der Fronten führen.


Von Broder abgesehen, geht es in meinem Artikel um die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus. Ich glaube, dass man diese Unterscheidung machen muss, und zwar aus einer ganz einfachen Überlegung heraus: Was „Islamismus“ ist, kann jeder in etwa sagen, weil es sich (eben im Gegensatz zum Islam) um ein einigermaßen klar abgrenzbares, überschaubares Phänomen handelt. Aber was ist „der“ Islam? Bei der Beantwortung dieser Frage kann ich ja z.B. auf den Koran rekurrieren. Nehmen wir die von Ihnen angesprochene Frage der Toleranz des Islam. Wenn ich da in den Koran reinschaue, werde ich z.B. auf die Sure 6, Vers108 stoßen, die – ich formuliere mal ganz vorsichtig – lesbar ist als ein Gebot, andere Religionen zu tolerieren; jedenfalls wird dies von manchen Muslimen so verstanden. Dasselbe gilt für den (ich weiß: viel diskutierten/Stichwort „Abrogation“) Vers 2:256 („Kein Zwang im Glauben“).

 

Ähnlich deutungsfähig ist der Koran aber auch in anderen Punkten, was Broder übrigens gar nicht bestreitet (was ich wiederum auch erwähne). Was die Steinigung angeht, so steht sie zumindest nicht im Koran. Um etwas beurteilen (nicht beschönigen) zu können, kann es zudem sinnvoll sein, es ins Verhältnis mit etwas anderem zu setzen, es zu vergleichen.Was z.B. die Realgeschichte des Christentums angeht, braucht man nur auf Karlheinz Deschner zu verweisen.  Das Frauenbild der Bibel ist ebenfalls nicht unbedingt zeitgemäß, die katholische Kirche ist in Sachen Sexualmoral und anderen Fragen zumindest auch nicht übertrieben modern, und dennoch ist das Christentum Teil von Deutschland. Wenn ich den Koran und den Islamismus gegenüberstelle, habe ich auf der einen Seite einen Text, der unterschiedlich interpretiert und mit dem unterschiedlich umgegangen wird, und auf der anderen Seite eine intolerante, gewalttätige Bewegung. Dass da ein Unterschied besteht, kann doch keiner leugnen. Ich sehe keine Notwendigkeit, diese Unterscheidung aufzugeben und bin auch nicht der Ansicht, dass dadurch problematische Aspekte wie die von Ihnen genannten geleugnet, beschönigt oder relativiert werden, es sei denn man missbraucht die Unterscheidung selbst, indem man alles Negative aus dem Islam herausholt und in den Islamismus transformiert, so wie beim Christentum manche das Negative in die Kirche als Institution verlegen möchten.


Vielleicht kann man den Unterschied, der zwischen Ihnen und mir besteht, anhand des von Hamed Abdel-Samad aufgeworfenen Schlagworts vom sogenannten postkoranischen Diskurs beschreiben: Auf der einen Seite die Position, das man sich vom Islam verabschieden sollte, auch deswegen, weil diese Religion keine Antworten gibt auf die Fragen unserer Zeit und weil alle Reformen beim Koran beginnen, aber am Ende am „erratischen Block“ der islamischen Kultur zerbrechen (vgl. Abdel-Samad, „Der Untergang der islamischen Welt, München 2010, S. 21). Und auf der anderen Seite die Position, die sagt: Wir haben über eine Milliarde Muslime auf der Welt und einige Millionen in Deutschland. Und es gibt den Koran. Sollten wir da nicht eher die Reformkräfte stärken? Was würden Sie z.B. einer Lamya Kaddor sagen, die ja wirklich „an der Basis“ arbeitet, und die eine liberale Lesart des Koran hinsichtlich der Frage nach dem Tragen des Kopftuch vertritt? Dass die Rechtsschule von Ahmad ibn Hanbal aber für die Vollverschleierung war?
Besten Dank nochmal und herzliche Grüße zurück.


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11.01.2012


Zeigen Muslime exakt die gleiche Toleranz, wenn ein Muslim zum Christentum übertritt, die Muslime von Christen erwarten, wenn ein Christ zum Islam übertritt?


*Exakt* die gleiche Toleranz, wohlgemerkt?


Die Antwort ist eindeutig: Nein, das tun die Muslime *nicht*.


Und sie *behaupten* noch nicht einmal, dass sie das tun würden.
Behandeln Muslime dort, wo sie die Mehrheit innehaben, Nicht-Muslime genau so, wie sie, die selbst behandelt werden wollen, wo sie, die Muslime, in der Minderheit sind?


Behandeln Muslime also Bahai im Iran, Kopten in Ägypten, Christen in der Türkei, in Pakistan, Christen, Juden und Hindus in Saudi-Arabien usw.  also genau so, wie Muslime in Deutschland, USA usw. ihrererseits gerne behandelt werden  wollen?


Die Antwort ist ebenso eindeutig: Nein, das tun die Muslime *nicht*.
*Allein daraus* folgt: Henryk M. Broder hat einfach recht. Und daran ändert auch nicht das pseudo-intellektuelle Geschwurbel im Text oben.


Antwort des Autors:


Vielen Dank für Ihren Beitrag. Auf rhetorische bzw. rhetorisch formulierte Fragen gibt es für gewöhnlich nur eine Antwort, und die lautet in Ihrem Fall offensichtlich genau so, wie sie Sie selbst gleich mitliefern: „Nein“. Fragen, auf die es nur eine Antwort gibt, bringen allerdings weder der Wissenschaft etwas noch einem Dialog. Anders gesagt: Man kann schon die Fragestellung so wählen, dass dabei die passende Antwort herausspringt. Dasselbe gilt für die Art und Weise, wie man Vergleiche konstruiert. Ich bin grundsätzlich kein Freund von Pauschalisierungen und daher auch kein Freund von Jürgen Todenhöfer. Aber lesen Sie mal dessen kürzlich erschienenes Buch „Feindbild Islam“! Da werden Sie vielleicht doch die ein oder andere von Ihnen gemachte Aussage überdenken, und sich selbst z.B. die Frage stellen: „Was vergleiche ich denn eigentlich? Eine säkularisierte Gesellschaft auf der einen und eine nicht säkularisierte Religion auf der anderen Seite?“ Und wenn Sie sehen, dass Sie das vergleichen, dann fragen Sie sich als nächstes, was an Gewalt auf das Konto der säkularisierten Gesellschaft und was auf das Konto der Religion, also des Islam geht. Wie gesagt: Ich lehne Vereinfachungen ab, und leider vereinfacht Todenhöfer über Gebühr. Aber denken Sie mal ganz kurz an den letzten Golfkrieg, denken Sie an den Kolonialismus. Und sagen Sie jetzt nicht, dass dies nichts mit der christlichen Religion zu tun hat. Richtig, das hat nichts mit der christlichen Religion zu tun: Christliche Religion, das ist z.B. die Inquisition. Oder ist die jetzt verjährt?


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11.01.2012


Sehr geehrter Herr Dr. Rother,


ein guter Beitrag, dem ich in fast allen Punkten zustimme. Besonders interessant fand ich folgende Stelle:


"Warum es den [säkularen Islam] anscheinend  prinzipiell nicht geben kann, verrät Broder leider nicht."


Ich glaube, an diesem einen Aspekt lässt sich die verquere Logik von Herrn Broder am besten veranschaulichen: Er vertritt offenbar die Auffassung, dass der Islam nicht liberal interbretierbar sei, weil der Wortlaut des Korans eine solche Auslegung nicht zulasse.


Dem kann man zweierlei entgegensetzen: Zum einen lassen auch viele Stellen der Bibel nicht den geringesten Raum für eine liberale Interpretation, sondern stehen schlicht im Widerspruch zu einem säkularen und aufgeklärten Gesellschafts- und Menschenbild. Dennoch hat das Christentum es geschafft, solche Stellen der Bibel faktisch ad acta zu legen und sich mit der Moderne zu versöhnen.


Wieso sollte das beim Islam nicht möglich sein? Auf diese Frage habe ich von Herrn Broder noch nie (!) eine Antwort gehört. Für ihn steht von vornherein fest, dass das nicht möglich sei, auch wenn das im vergleichbaren Fall des Christentums möglich gewesen ist.


Zum anderen tut Herr Broder so, als sei er ausgebildeter Theologe und könne genau beurteilen, wie der Koran auszulegen ist. Er beruft sich dabei immer auf jene Fundamentalisten, die den Koran in eine bestimmte Richtung auslegen. Dass es auch unzählige historisch-kritische Interpretationen des Korans durch gläubige Muslime gibt, die bestimmte problematische Koranstellen schlicht gegen (!) den Wortlaut auslegen, ist Herrn Broder entweder völlig unbekannt oder ziemlich egal.


Beide Aspeke lassen vermuten, dass es Herrn Border nicht um sachliche Kritik geht, sondern um plumpe Diffamierung.


Viele Grüße


Antwort des Autors:


Vielen Dank für Ihren Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe, nicht zuletzt deswegen, weil Sie auf einen Punkt kommen, der mir, auch was Broder angeht, als wesentlich erscheint, nämlich die Frage, ob der Islam, wie das Christentum, grundsätzlich eine liberale, säkular(isiert)e Form annehmen kann oder nicht. Wenn man hier nicht gleich mit „nein“ antwortet, kann mal z.B. den Gedanken entwickeln, dass bei „uns“ die Aufklärung gerade nicht auf der Grundlage des Christentums stattfand, sondern eher gegen das Christentum, und zwar wesentlich gegen das Christentum als Institution, also gegen die Kirche. Nun gibt es den Islam aber in diesem Sinne, also als Kirche, gar nicht, weswegen man auch nicht in diesem Sinne gegen ihn rebellieren kann: Könnte dieser Umstand z.B. ein Grund dafür sein, dass es da mit der Aufklärung faktisch hapert, dass aber dies zugleich nicht grundsätzlich heißen muss, dass der Islam nicht säkularisierbar ist? Solchen Problemen nachzugehen finde ich – genauso wie Sie – gewinnbringender, als mich von einem Rhetoriker berieseln zu lassen, der in dieser Frage seit Jahren dasselbe fabriziert.


Viele Grüße zurück!


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11.01.2012


Sehr geehrter Herr Rother,


sehr geehrter Gelehrter,


Sie lieben die Komplexität der Sachverhalte wie das Lösen einer Funktionsaufgabe in der Mathematik. Leider das hat nichts mit dem richtigen Leben zu tun. Es erinnert mich an die vielen Filmszenen mit einem Standesbeamten und Pfarrer, der nur von dem Brautpaar das Jawort hören will und nicht das Warum.


Ich kann Ihre Kritik an Henry M. Broder nicht nachverziehen. Sie versuchen zwar mit einer gedeckelten Polemik daher zukommen, aber landen schlussendlich als Bruchpilot. Jemand vorzuwerfen, er würde sich nicht konkret oder direkt zum Islam äußern und zwar in negativer Form, klingt fast schon beleidigend. Aber das Gleiche gilt auch für Sie. Denn sie weigern sich, den Islam  in irgend einer Form zu kritisieren. Sie versuchen stattdessen - sich hinter dem Islamismus  zu verstecken.


Hier ein Beispiel:
„Diese Hinweise sind durchaus berechtigt, denn gegen Radikale und Fundamentalisten (jeglicher Couleur) muss man sich nicht nur verteidigen, entsprechende Gefahren sind zudem nicht zu verharmlosen, Ereignisse nicht zu beschönigen und ein vorauseilender Gehorsam gegen extremistische Formen ist zu verwerfen. Von den terroristischen Aktionen abgesehen,“


Das Wort Islam taucht nicht auf. Warum?  Wenn es sich um Christen handeln würden oder gar Katholiken, die anderen ihren Glauben aufzwingen würden, dann würden Sie  sich nicht scheuen, den christlichen Bezug zu nehmen. Wetten, dass ...?


Aber nehmen wir ein besseres Beispiel, dass die Zukunft sein wird. Im letzten Jahr wurde der Sudan in dem muslimischen Norden und dem christlich Süden geteilt.


Anders als im mehrheitlich islamischen Sudan gehört die Bevölkerung im Südsudan vorwiegend dem Christentum sowie lokalen Religionen an. So wurde, einen mehr als 20 Jahre dauernden Bürgerkrieg zwischen dem christlich dominierten Süden und dem muslimisch geprägten Norden, in dem mehr als zwei Millionen Menschen ums Leben kamen, beendet. Auch in Nigeria scheint sich ein ähnlicher Prozess anzubahnen. Und wann in Europa?


In Nigeria müssen Christen weiter Gewalt fürchten: Die islamistische Terrorbande,  Boko Haram hat die im Norden lebenden Gläubigen aufgefordert, die Region umgehend zu verlassen. Die islamistische Terror-Bande hatte sich zuvor zu den blutigen Anschlägen auf Christen an Weihnachten bekannt. www.spiegel.de/politik/auslan...806721,00.html


Das sind u.a. Nachrichten, die die Menschen fast täglich hören und sehen. Und damit wäre ich am Anfang meines Textes. Ja, zur Kritik am Islam und das Warum können Sie jetzt erledigen?


Antwort des Autors:


Vielen Dank für Ihren Beitrag. In der Tat ist es so, wie Sie sagen: Ich liebe „die Komplexität der Sachverhalte“, und ich habe etwas gegen Vereinfachungen. Das aber nicht aus Spaß an der Freud', sondern weil Vereinfachungen die Diskussion auf die Dauer nicht weiterbringen. Es geht nämlich dann nur noch hin und her. Mit Bezug auf die Herangehensweise an den Koran, bei der die einen sich die „guten“, die anderen die „bösen“ Stellen heraussuchen, hat Navid Kermani da treffend vom „Surenpingpong“ gesprochen.
Sie schreiben, ich würde mich hinter dem Islamismus verstecken. Ich würde Ihnen Recht geben, wenn Sie gesagt hätten, dass die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus ihrerseits missbraucht bzw. instrumentalisiert werden kann (und auch wird), nämlich so, dass man alles Negative aus dem Islam, also der Religion herausnimmt, um es dann im Islamismus zu verorten. Diese Gefahr sehe ich, aber die Unterscheidung selbst ist eben nicht der Missbrauch der Unterscheidung.


Sie schreiben schließlich, dass ich mich weigere den Islam zu kritisieren und dass das Wort „Islam“ bei mir nicht auftauche. Ich weigere mich nicht, den Islam zu kritisieren, glaube allerdings, dass man dies in einem Artikel, wo es um Broder geht, nicht auch noch extra selber machen muss. Und was das Wort „Islam“ angeht, das Sie bei mir vermissen, möchte ich diesen Einwand gerne zurückgeben, denn dieses Wort fehlt bei Ihnen ja auch: Sie sprechen einige Male von „islamistischen Terrorbanden“. Wieso „islamistisch“? Müsste das Ihrer eigenen Position zufolge nicht heißen „islamisch“?


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11.01.2012


Neulich sprach mich auf dem Hausfest meiner Kreuzberger Wohngenossenschaft eine Genosse an -ich weiß nicht, wie er darauf kam- ob ich von den Punks und Anarchos in seinem Haus gehört hätte, die jetzt zum Islam konvertiert sein. Ich hatte andernorts schon von Ähnlichem gehört, war erstaunt und mäßig begeistert - warum sollten "Progressive" und "Linke" so etwas tun? Marx hielt vom Islam noch weniger als von Juden und ihrem "Schacher". (OT) Mein "Genosse", ab sofort in Anführung, kam aber schnell auf den Punkt: Das sei wegen "der Sache in Palästina", das müsste ich doch verstehen. Tat ich aber nicht, oder doch, genau richtig -seit 1945 haben wir da noch eine Rechnung offen- und war entsprechend angewidert, worauf er fix wütend würde - wir seien doch alle mal jung gewesen, da könne man sich doch einfühlen. Er wollte das aber nicht ausdiskutieren und setzte sich beleidigt weg.
Freut mich, dass die Konvertiten hier einen subtileren Diskurs führen - die Feingeister nehmen die Islamophobie auseinander, das Fußvolk nutzt den Freiraum für derberes Vorgehen. Immerhin, man nimmt was man kriegen kann.


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11.01.2012


Ich muss immer lachen, wenn mir jemand "wissenschaftlich" eine Religion, dann noch den Islam, schönreden will, um dann nicht an das Niveau einer durchschnittlichen Zeugen-Jehovas-Broschüre heranzukommen.


Eine Religion, die den Austritt mit dem Tode bestraft und in deren Einflussbereich gerade mal 1965 (Saudia Arabien) die Sklaverei abgeschafft wurde. Es gibt sie in den Golfstaaten natürlich weiterhin.


Religion im Allgemeinen, ihr Ansatz der Koraninterpretation und der Islam im besonderen hat mit Wissenschaft nichts zu tun.


Islam beruht auf Unterwerfung unter Autorität (Vater, Gott, Offenbarung) und ethischem Dualismus, d.h. Ungleichbehandlung (von Männern vs Frauen, Gläubigen vs Harbis/Dhimmis, Freien vs Sklaven).


Die Moderne beruht auf wissenschaftlichem Denken (kritischer Vernunft) und dem kategorischen Imperativ.


Zwischen diesen beiden Modi operandi gibt es keine Kompromisse. Man kann auch im Westen sehen, wozu es führt, wenn kritisches Denken religiösem Platz macht, z.b. in der Energiepolitik, wenn nicht Wissenschaftler sondern Bischöfe im Energiepolitik-Expertenrat sitzen…


Ihr ganzer Text ist ein Bullshitminenfeld, ein Lotto-Sechser für die Doktorarbeit eines  Wahrnehmunsgpsychologen.


Der Koran widerspricht UN-Menschenrechten, dem guten Geschmack, dem gesunden Menschenverstand, Geschichte, Physik, Astronomie, Biologie, und nicht zuletzt sich selber.


Da passt die positive Erwähnung Heiner Geisslers ins Bild.


Wenn ich mir seine Auftritte im Fernsehen ansehe, wundert mich, dass der Mann noch wo eingeladen wird.


Und noch wo irrt sich der Autor: Wir brauchen interreligiösen Dialog so dringend wie wie Religion selber, wie Karies und Zahnfleischbluten. Was wir brauchen ist, dass religiöse Erziehung, d.h. Indoktrination und geistige Misshandlung von wehrlosen Kindern zumindest im Westen endlich dieselbe Anerkennung genießt wie das Schlagen derselben mit einem Ledergürtel, nämlich gar keine.


"„Islamismus" ist eine Wortschöpfung bar jeden erkenntnistheoretischen Wertes”
Tilman Nagel


Zur Methode quantitativen Korananalyse: "Die Idee war, dass ich an der rein quantitativen Gewichtung bestimmter Themen erkennen kann, was im Islam wichtig und was weniger wichtig ist. Dass heißt, wenn in wirklich jeder Sure (Hyperbel!) von der Trennung von Gläubigen und Ungläubigen die Rede ist und davon, dass die Ungläubigen minderwertig sind und in die Hölle kommen, dann gehe ich davon aus, dass das ein wichtiges Thema ist. Und weil es sich eben wie ein roter Faden durch den Koran zieht etwas ist, das die Weltauffassung von Muslimen prägt. Eine Korananalyse, die diesen Gesichtspunkt unterschlägt, ist schlechterdings nicht seriös. Das gilt aber auch für andere Themen, z.B. den Dschihad im Sinne des militärischen Kampfes gegen Ungläubige."
M. K.-Hartlage


Antwort des Autors:


Vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich habe ja bereits bei Broder versucht, Rhetorik und das, was nach deren Abzug substanziell-inhaltlich übrigbleibt, voneinander zu trennen und war dann zu der Ansicht gekommen, dass das nicht viel ist, was da übrigbleibt. Ich will dieses mühsame Prozedere jetzt nicht nochmal mit Bezug auf Ihren Text wiederholen, aber ein paar Punkte aufgreifen. Sie schreiben, dass wir interreligiösen Dialog so dringend brauchen wie Religion selber, wie Karies und Zahnfleischbluten. Vielleicht brauchen Sie keine Religion; ob das für Menschen allgemein gilt, möchte ich bezweifeln.Was den interreligiösen Dialog angeht: Natürlich brauchen wir den. Oder sollen wir uns lieber (weiter) gegenseitig die Köpfe einschlagen? Sodann zitieren Sie Tilman Nagel mit den Worten, dass der Begriff des Islamismus keinen erkenntnistheoretischen Wert besäße. Sehen Sie: Und für mich hat ein Zitat allein noch keinen argumentativen Wert, und sei es auch von Tilman Nagel. Da kann man Ihnen ohne Probleme mit anderen Zitaten kommen, etwa von Bassam Tibi, der Islam als Religion und Fundamentalismus als politische Ideologie voneinander trennt und an der Redewendung  „Islamismus“ kritisiert, dass sie unterstellt, es gebe den Fundamentalismus nur bei den Muslimen (Bassam Tibi: Der religiöse Fundamentalismus im Übergang zum 21. Jahrhundert“, Mannheim u.a. 1995, S. 10-12).


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11.01.2012


Zu welchem Ziel soll denn eine "zielführende Diskussion" über den Islam denn führen? Es kann doch in einer aufgeklärten Gesellschaft nur so sein, das sich die Religion, jede Religion, als tolerierter Aberglaube unter die weltlichen Vorschriften unterordnet. Die Menschenrechte sind wichtiger und richtiger als Religion, sie kommen an erster Stelle, danach Demokratie und Recht, auch das Recht zu glauben was man will. Fordert man dies öffentlich für den Islam, wird man auch in Deutschland verleumdet und bedroht, vorauseilendes Schweigen ist daher die Norm.


Diesem Schweigen tritt Broder mit Galgenhumor und -Zynismus entgegen, einem Zynismus der sich an den Reaktionen vieler "Intellektueller" auf den 9/11, London, Madrid und an der Mitleidslosigkeit der gleichen Kaste für die  Ereignisse in Darfur, Nordkorea und sonstwo geformt hat.


Was bleibt einem auch schon Anderes als Galgenhumor  in einer Zeit, in der der Antisemitismus in Deutschland  wieder so normal ist, das man es nicht wagen kann mit einer Israelflagge am Hemd, oder mit einer Kippa auf dem Kopf in Berlin S-Bahn zu fahren?


Antwort des Autors:


Vielen Dank für Ihren Beitrag, dem ich in allen mir wesentlich erscheinenden Punkten zustimme, mit einer Ausnahme: Die Art und Weise, in der sich Broder an der sogenannten Islamdebatte beteiligt, halte ich für nicht zielführend. „Zielführend“ heißt ja nicht nur, dass sich die Religion in einer aufgeklärten Gesellschaft den weltlichen Vorschriften unterzuordnen hat, sondern auch, dass sich ihre Mitglieder gegenseitig anerkennen. Wer Muslimen pauschal und wiederholt vorwirft, sie seien ständig beleidigt, trägt zu einem Klima bei, das gerade nicht dazu geeignet ist, sich gegenseitig zu respektieren. Solche Aussagen sind im Gegenteil eher Ausdruck der Nichtwertschätzung des Anderen. Die Rede vom Beleidigtsein gilt es ohnehin mal zu überdenken. In vielen Fällen sollte man vielleicht besser von der Verletzung religiöser Gefühle reden. Immer von „Beleidigtsein“ zu reden, grenzt meiner Ansicht nach schon fast selbst an so etwas wie eine Beleidigung. Das hat nichts damit zu tun, dass man, wie manche sagen, „Islamversteher“ ist, ein, wie ich finde, selten blödes Wort. Wenn Ihnen jemand vorwirft, Sie wären ständig beleidigt -  haben Sie da Lust, sich von dieser Person noch mehr, womöglich berechtigte Kritik anzuhören? Oder machen Sie da nicht eher „zu“? Diese „Strategie“ des Polemisierens ist in dieser Hinsicht also nicht zielführend, d.h.: Ich kritisiere das nicht aus der Sicht des vermeintlichen Gutmenschen (wieder so ein Wort), sondern sozusagen aus taktischen Erwägungen. Und ein Mindestgrad an Höflichkeit ist noch lange kein Einknicken vor der Religion eines anderen Menschen.


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11.01.2012


Nein, Herr Rother, da ist vielfach zu widersprechen. Sie beziehen sich auf Kritikpunkte, die Sie gegen Herrn Broder anführen, schlußfolgern daraus aber auf Allgemeines, auf Kritik am Islam/ismus. Etwa nach dem Motto: "Broder kritisiert den Islam/ismus; wenn ich nun nachvollziehbare Kritik an Broder übe, dann widerlege ich dessen Islam/ismus-Kritik.


Broder weist zurecht darauf hin, daß sich der Islam (als Gesamtheit der z.B. in Deutschland lebenden Muslime) und der Islamismus zueinander verhalten wie eine Lok und die Waggons eines Zuges. Der ganz normale, persönlich friedliche und wohl friedfertige Moslem tötet keine Andersdenken, er massakriert keine Menschen, die den Islam ablehnen, er baut keine Bomben, um sie in vollbesetzten Vorortzügen zum Dahinsprengen vieler Menschen einzusetzen.

Aber: Wenn Islamisten dies tun, dann steht er nicht auf und setzt sich dagegen zur Wehr. Dann verfaßt er keine Aufrufe im Internet, die das verurteilen.
Der Vorsitzendes des recht anmaßend sich so nennenden "Zentralrats der Muslime in Deutschland", Mazyek, befürwortet die Geltung der Scharia in Deutschland und spricht dabei stets von denjenigen Scharia-Regelungen, die angeblich rechtsstaatskompatibel sein sollen; befragt man ihn nach den Scharia-Aspekten, die definitiv nichts anderes als frauen- und menschenverachtend sind, dann weicht er aus. Ich habe noch keine Stellungnahme von Herrn Mazyek gehört, die mich an seiner von mir mal so genannten Haltung "Scharia statt Grundgesetz" zweifeln läßt.


Die Religion Islam enthält in ihren Schriften, allem voran natürlich dem Koran, außerordentliche intensive Aufrufe zum Haß. Wenn auch nicht solche Stellen, so gibt es aber doch in der Bibel, vor allem (aber nicht nur) im Alten Testament durchaus auch Stellen, die heute allgemein höchst kritisch gesehen werden. Und was machen die Kirchen, was macht das Judentum? Man setzt diese Stellen de facto außer Kraft. Theologie (kath., ev., jüd.) hat auch den Zweck, ein Scharnier zwischen dem zivilen Leben der Menschen und dem religiösen Leben zu sein. Derlei ist dem Islam nicht in vergleichbarer Weise inhärent. Klar: es gibt auch zahlreiche moslemische Geistliche, die mäßigend zu wirken sich bemühen. Aber sie tun dies im Allgemeinen nicht, indem sie sich gegen die stellen, die wir Islamisten nennen. Um im Zug-Bild zu bleiben: sie trennen nicht die Waggons von der Lok, die auf Irrfahrt ist, sondern sie betätigen die Waggonbremse, was dazu führt, daß der Zug statt mit 150 nunmehr mit 145 km/h fährt.


Der Islam ist heute die Quelle überhaupt für Juden- und Christenverfolgungen. Mag sein (ich habe Zweifel), daß es nur wenige Individuen sind, die den "wahren Islam" usurpieren - aber das ist ohne Belang, solange die Masse der Moslems sich von dieser Avantgarde nicht distanziert, nicht abwendet und nicht die Gefolgschaft verweigert. Und eben das tut sie nicht.


Wo ist der Aufschrei in der islamischen Welt, wenn jeden Tag in Nigeria Christen brennen?
Wo rufen hörbare islamische Stimmen zum Ende der Gewalt gegen Israel?
Wo sind prominente Vertreter des Islam zu hören, die in Deutschland verkünden, daß die Einhaltung der Gesetze für Staatsbürger (und andere) wichtiger ist als die Befolgung strittiger Regeln ihrer Religion?
Wo wendet sich der islamische Mainstream hörbar und erfolgreich (denn nur das zählt) gegen die Diskriminierung der Frau?


In diesem Spannungsfeld verfaßt Broder seine gewiß zuweilen grobschlächtigen, aber doch stets einen wunden Punkt thematisierenden Philippiken.


Worte werden als Kampfbegriffe benutzt, schreiben Sie, und Recht haben Sie. Worte sind aber auch zuweilen als Nebelkerzen im Einsatz, die die Sicht behindern. Das ist besonders dann leicht möglich, wenn ein Wort zig Bedeutungen haben kann:
Islam: Die Religion des Individuums (oft libertinär gelebt)
Islam: Die Religion an sich, die Lehre des Islam (oft sehr extrem theologisiert, mit starkem Einfluß zivilisationsfeindlicher Aspekte wie Haßaufrufen, Frauendiskriminierung)
Islam: Die Gemeinschaft von Islamgläubigen in einem Referenzrahmen, als Gruppe von Menschen oder als regional reale Ausprägung einer theologischen Lehre (der deutsche Islam, der Islam in Deutschland)
Islam: der kulturelle Hintergrund, also etwas losgelöst vom stark theologischen Begriff, der für zahlreiche, eine ganze gesellschaftliche Gruppe in Deutschland prägende Kulturalisierung, Sozialisierung, die statistisch unbestreitbar konnotiert, zu Aspekten führt wie: Bildungsferne, hohe Kriminalitätsrate, sehr hohe Quote von Menschen, die von staatlichen Sozialleistungen leben, Zwangsheiraten, Kinderehen, Morde aus Scham, verletzter Eitelkeit etc.
Das alles und womöglich noch mehr ist der Islam. In Ihrem Artikel nehme Sie die Position ein, daß Broder nicht zwischen den äußersten Extremen unterscheidet, daß er nicht zwischen Bombenbauern und redlichen Menschen scheidet. Sie aber wenden einen anderen, mir mehr mißfallenden Kunstgriff ab: Sie suggerieren, daß das, was mit nicht unterscheidbaren Worten belegt wird, so unterschiedlich sei, daß man es nicht in einen Topf werfen dürfe. Sie irren, denke ich: das darf man nicht nur, das muß man.


Der reale Islam in Deutschland - hier gemeint: die in Deutschland lebenden Moslems - war gesellschaftsverträglicher, als er es heute ist; er wird zunehmend ein gesellschaftliches Problem. Das ist schwer zu bestreiten, wie schon alleine die Anzahl der Veröffentlichungen belegt. Das Problem kann und wird aber nicht dadurch gelöst oder, besser, reduziert werden, indem unsere Gesellschaft islamischer wird. Es kann und wird nur dadurch gebessert werden, daß der Islam in Deutschland - ebenso wie Judentum, Buddhismus, Hinduismus, Schamanismus etc. - verinnerlicht, eine Minderheitenreligion zu sein, deren Ausübung natürlich geschützt ist, die aber keinen Anspruch darauf zu erheben hat, daß sie die Gesellschaft dahingehend infiltriert, daß die Religion die Gesellschaft definiert.


Minderheiten haben Rechte, aber sie haben eben auch Pflichten - bzw. ihre Rechte haben Grenzen.


Wir leben hier in Deutschland im Abendland, im Westen, mit jüdisch-christlichen Wurzeln unserer Kultur, mit der Aufklärung und vielen weiteren Dingen, die insgesamt, man mag das Wort mögen oder nicht, unsere Leitkultur sind.
Der Islam gehört nicht dazu. Er hat auch keinen Anspruch, künftig einmal dazuzugehören.


Dieser Kulturkampf wird derzeit ausgefochten, glücklicherweise mit Worten (fast ausnahmslos).


Vor allem aber fordert Broder und ich mit ihm eines: Daß der Islam die Toleranz, die er ständig für sich selbst als selbstverständlich in Anspruch nimmt, auch anderen entgegenbringt.


Und daran hapert es hinten und vorne.


Wer es unternimmt, den Konflikt weg- und schönzureden, tut nicht nur etwas Sinnloses, er tut etwas Gefährliches: er erhöht den Druck. Es ist gewiß besser, nunmehr durch eine intensive öffentliche Debatte endlich einmal nicht nur von unserer Gesellschaft etwas zu fordern, sondern nun auch einmal in den in Deutschland existierenden Islam hinein zu wirken und etwas zu verändern. Hier liegt eine jahrzehntelang aufgebaute Bringschuld des deutschen Islam, der deutsche Moslems.


Pardon, aber kürzer ging's nicht.


(NB: ich verlinke auf diese Site, veröffentliche meine hier geschrieben Antwort und etwaige, künftige Reaktionen Ihrerseits auf freudgermany.wordpress.com)


Antwort des Autors:


Vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar. Vorab: Mir gefällt Ihr Beitrag besser als der meinige anscheinend Ihnen. Aber zunächst zu Ihrer Kritik: Ich würde, so sagen Sie erstens, aus meiner Kritik an Broder allgemeine Schlussfolgerungen ziehen. Das müssten Sie mir allerdings textuell nachweisen und das tun Sie nicht. Was ich zum Islam allgemein sage, ist, dass er nicht identisch ist mit dem, was man unter Islamismus versteht. Und was ich an Broder kritisiere, ist dieses nur scheinbar deutliche, in Wahrheit aber (durch die Rhetorik bedingte) nebulöse Rumgestochere unter gänzlicher Ausschaltung von Fragen, die ihn ja auch gar nicht zu interessieren scheinen, die aber zu der Islamdebatte dazugehören, nämlich religiöse bzw. theologische Fragen. Ich finde das bemerkenswert, dass man (wie Broder) seit Jahren über den Islam schreiben und reden kann, ohne mal den Koran miteinzubeziehen, oder die Sunna oder Rechtsgelehrte oder Denker wie z.B. Abu Zaid oder Bassam Tibi oder, oder...


Wenn Herr Broder meint, dass die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus Blödsinn ist, dann soll er das sagen und die Konsequenzen daraus benennen. Dann soll er sagen: Der Islam als solcher ist intolerant, gewalttätig, rückständig usw. Aber das macht er ja gar nicht. Warum nicht? Weil er die Differenz insgeheim lieber selbst noch behält, um bei bestimmten Fragen auszuweichen, und dann immer wieder sagen zu können: Stopp, nein, die meisten Muslime sind ja gar nicht so schlimm, klar, die Islamisten sind natürlich in der Minderheit, und wie der Islam selbst ist, interessiert mich eigentlich nicht, und der Koran selbst ist ja sowieso ein Selbstbedienungsladen usw. usw. Das ist seine Hintertür. Oder, um hier Ihre Metapher aufzugreifen: Broder macht erst Licht, aber damit er sich in diesem Licht, in dieser Helligkeit nicht auf nähere Diskussionen einlassen muss, macht er zugleich auch noch ein bisschen Nebel.


Der zweite Punkt, den sie ansprechen,  betrifft die Art und Weise, wie auf den Islamismus reagiert wird. Und in diesem Punkt habe ich Broder gar nicht widersprochen, sondern sogar explizit und emphatisch Recht gegeben. Dass ich, wie Sie in Ihrem Blog noch etwas deutlicher behaupten, genau das mache, was ich Broder vorwerfe (nämlich mangelnde Differenzierung und Sachlichkeit), kann ich nicht nachvollziehen. Übrigens schon rein logisch nicht: Denn Sie suggerieren ja, ich würde bestehende Konflikte weg- und schönreden. Aber das macht Broder doch gerade nicht (müsste er doch aber, wenn ich ihm das vorwerfen würde, was ich Ihrer Ansicht nach selbst tue). Ich würde Ihnen Recht geben, wenn Sie gesagt hätten, dass die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus ihrerseits missbraucht bzw. instrumentalisiert werden kann (und auch wird), nämlich so, dass man alles Negative aus dem Islam, also aus der Religion herausnimmt, um es dann bequem im Islamismus zu verorten bzw. zu entsorgen. Diese Gefahr sehe ich, aber die Unterscheidung selbst ist eben nicht der Missbrauch der Unterscheidung; das würde ich z.B. gegen Clemens Ludwig sagen, der insinuiert, die Unterscheidung sei überhaupt nur zu dem Zweck gemacht worden, das gewaltbereite Potenzial sprachlich aus dem Islam als Religion auszugrenzen (vgl. Clemens Ludwig: Die Opferrolle. Der Islam und seine Inszenierung,  München 2011, S. 148-150).


Was mir an Ihrem Beitrag sehr gut gefällt, ist Ihr Gespür dafür, dass Diskussionen wie die, die wir hier führen, zu einem Gutteil eben auch von Sprachproblemen belastet sind. Sie gehen da z.B. auf die notorische Vieldeutigkeit von „Islam“ ein. Meiner Ansicht nach ist von diesem, sagen wir „linguistischen“, Problem, auch die Diskussion um Christian Wulffs Satz betroffen, auch der Islam gehöre mittlerweile zu Deutschland. Ich glaube, dass es zu diesem Satz vor allem deswegen so viele Meinungen gibt, weil jeder ihn anders versteht: Gehört der Islam als Religion zu Deutschland oder ist es nicht der Islam, sondern sind es die Muslime? Hat der Islam Deutschland geprägt, prägt er Deutschland, wird er Deutschland prägen?  Wenn es der Islam ist: Seit wann gehört er denn dazu? Und wenn die Muslime gemeint sind: Gehören die Muslime faktisch zu Deutschland, sind sie integriert oder will Wulff diesen Satz verstehen i.S. von: Ihr Muslime seit hier willkommen? Der Satz hätte dann, um es linguistisch auszudrücken, eine ganz andere illokutionäre Rolle. Er wäre eher eine Einladung als eine Tatsachenbeschreibung. Sie spielen auf diesen Satz an, wenn Sie sagen: „Der Islam gehört nicht dazu. Er hat auch keinen Anspruch, künftig einmal dazuzugehören.“ Allerdings meinen bzw. schreiben Sie (wenn ich Sie hier richtig verstehe) nicht, dass er nicht zu Deutschland gehört, sondern (nicht) zu „unsere Leitkultur.“ Mir gefällt diese Konkretisierung, weil man dann besser weiß, worüber man eigentlich redet.


Meine Meinung zu Broder bleibt allerdings auch nach Lesen Ihres ausführlichen Beitrags unverändert: Es kommt Broder das Verdienst zu, immer wieder vor – wie Sie völlig zurecht sagen „gefährlichem“ – Weg- und Schönreden von Gefahren zu warnen. Ich glaube nur, dass man dies auch auf eine andere Weise machen kann und dass seine Art oftmals eher dazu führt, das Klima des interreligiösen Dialogs zu verschlechtern. Wenn ich, wie Sie es nennen, in den in Deutschland existierenden Islam hineinwirken und – berechtigte – Forderungen an deutsche Moslems stellen möchte, ist es m.E. kontraproduktiv, so wie Broder zu agieren und z.B. den Moslems pauschal zu unterstellen, sie seien ständig beleidigt. Dasselbe gilt für das Zitat, das ich als Titel meines Artikels genommen habe (weil ich es als für Broders Stil typisch ansehe). Das ist nämlich so, als wenn ich zu jemandem über Sie sagen würde: „Ach wissen Sie, der Herr XY, der ist erst mal kein Idiot (aber eben nur erst mal; wenn man nur etwas abwartet oder genauer hinguckt, ist er doch ziemlich blöde).“ Und zu diesem Blödian gehe ich jetzt hin und verlange von ihm dies und das.

 

12.01.2012. MS.de REDAKTION: Kommentare zu diesem Beitrag werden nicht mehr akzeptiert! Denn der Autor hat bereits auf zahlreiche Kommentare ausführlich geantwortet.




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