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Arbeiten - und das mit Kopftuch!
10.11.10
Von:  Imzadi

Kategorie: BERLIN, ERFAHRUNGEN

In Berlin ist es immer hektisch. In Berlin gibt es immer etwas, was man ganz schnell erledigen muß. Auch wenn der Schnee einem einen Strich durch die Rechnung macht. Das Waten durch zentimeterhohe Aufwehungen ist wie Laufen am Strand. Die Zeit zieht sich wie ein Gummiband und wenn der Mantel zum dritten Mal an einem versteckten Ast hängenbleibt, bleibt keine Laune gut. Dennoch komme ich halbwegs sauber auf meiner Arbeitsstelle an. Ich klopfe den letzten Rest von Schmutz ab und zupfe mein Kopftuch zurecht.


Ach ja: Ich trage Kopftuch – und habe trotzdem einen guten Job. Das muß man schon genau soherum sagen. Darf ich vorstellen: ich bin das lebende Gegenteil vieler Berichte und Befürchtungen. Es mag daran liegen, dass ich Deutsche bin und deshalb einen Akzeptanzvorsprung habe, dass ich weiß, wie die ungeschriebenen Regeln hier sind. Einige meiner Freunde meinen auch, ich hätte einfach Glück mit meiner Firma. Vielleicht hatte ich das ja. Vielleicht stimmt auch alles davon.


Immer wieder höre ich davon, dass Muslimas mit Kopftuch abgewimmelt werden, nicht zu Gesprächen eingeladen werden oder von einigen schlichten Gemütern provozierend auf Putzjobs verwiesen werden, wo man doch Kopftuch tragen könne. Diese Meldungen und Beiträge liest man immer wieder in Foren, islamischen Drucksachen und Blogs. Doch nicht alles ist auf das Kopftuch zurückzuführen. Als Einstellungskriterium spielen oftmals andere wichtige Aspekte eine Rolle, wie z.B. die dem Job angemessene Beherrschung der deutschen Sprache, auch in Schriftform, die Flexibilität in den Arbeitszeiten, der Ausbildungsbackground und nicht zuletzt achten Entscheider immer wieder auf die Zahl der Kinder, die sich fast immer direkt auf die Ausfallhäufigkeit der Mutter auswirkt. Krankes Kind heißt oft fehlende Mutter am Arbeitsplatz. Damit haben es auch nichtmuslimische Mütter schwer, Arbeit zu finden. Diese Dinge werden (meist) alle vor den Bedenken des Kopftuches betrachtet. Und ein bestimmter Abschluss in einem anderen Land bedeutet nicht, dass dieser hier entsprechend als „gleichwertig“ anerkannt wird.


Aber es gibt bei all den Hürden in Deutschland eben auch Firmen wie meine … und Unternehmen wie IKEA, die in Schweden eine Kopftuchkollektion im IKEA-Design für ihre muslimischen Mitarbeiterinnen bereitstellen oder die Londoner Polizei, bei der es zum Alltag gehört, mit verschleierten Polizistinnen zu arbeiten (die übrigens ebenso wenig zimperlich sind wie ihre unverschleierten Kollegen). Unsere skandinavischen und britischen Nachbarn sind sowieso um einiges offener als hierzulande viele Gemüter.


Ich überlege so für mich: Woran mag das wohl liegen? An der grundsätzlichen Ängstlichkeit der Deutschen? Der Deutsche mag es geordnet, durchschaubar, bekannt. Der Islam ist für viele eine völlige Unbekannte, schon vom Grunde auf, da die Ansätze in puncto Selbstverantwortung und Sich-selbst–nicht-in-den-Mittelpunkt-stellen nicht so ganz den hiesigen Traditionen und „Trends“ entsprechen. Also in den (christlichen) Wurzeln schon, doch hier hat sich eine Konsumkultur entwickelt, die nur in einigen Gegenden noch christlich geprägt ist, in der der urreligiöse Faktor aber auch nicht mehr allzu viel zählt. Und in Berlin schon gar nicht. Die individuelle Verwirklichung des Einzelnen wird großgeschrieben, eine Zurücknahme zum Wohle vieler mit Argwohn betrachtet. Und wenn einem unbedarften Deutschen eine bedeckte, sich unauffällig verhaltende Muslima entgegenkommt, kann der gemeine Deutsche schon mal ins Schleudern kommen, weil die bisher erlernten und trainierten Fähigkeiten der Einschätzung aufgrund äußerer Faktoren hier nicht mehr greifen können. Und dann verhält sich das unbekannte Wesen auch noch wie eine ganz normale Frau und lacht mit einer, unverschleierten, Freundin! Ja geht denn das?! Das verunsichert. Verunsicherung führt zu Ablehnung. Und fertig ist die Stimmung, die hierzulande so herrscht. Es gibt noch viel zu tun für uns!


P.S. Aber das mir in meiner Firma Kollegen jetzt zum Ramadan gratulieren oder sogar Gummibärchen mit Rindergelatine besorgen, zeigt mir, dass es doch Hoffnung gibt. 

 

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KOMMENTARE VON LESERN:

 

1.

Sehr geehrte Frau Imzadi,
nachdem ich in der Wochenzeitschrift "Die Zeit" vom 9.12. den Beitrag von Frau Soraya Hassouin gelesen habe, ist mir nach wie vor unklar, warum ich nicht der Meinung sein soll, dass das Kopftuch bei muslimischen Frauen eine einfältige zur Schaustellung der primitiven Unterordnung unter muslimische Männer ist.
Ich bin von meiner Erziehung her Atheist und finde jedes religiöse Gehabe von Fremden in meinem Heimatland aufdringlich und unangenehm wenn es von religiösen Eiferern zelebriert wird. Der Islam scheint mir eine zur Zeit sehr erfolgreiche Methode von religiösen einfältigen Männern zu sein wenigstens bei gleichgesinnten Frauen eine Vormachtstellung zu behaupten. Im Berufsleben außerhalb der islamischen Welt sind diese Männer ja von permanenter Erfolgslosigkeit geschlagen.
Dies ist auch völlig verständlich wenn man einer Religion anhängt, die den Mann als über der Frau stehend proklamiert!


2.

Was findet ihr an dem Kopftuch so toll??  Wollt ihr, das eure Töchter mit zehn nicht mehr ins Schwimmbad gehen dürfen? (Es gibt auch sowas wie Hidschab-Badeanzüge, ich weiß, aber wozu!??? Was ist dabei!!!) Was hat dies Stück Stoff mit Gott zu tun!? Mit innerer Integrität? Und warum ist es auf einmal so modern, sich zu verschleiern??

 

3.

ich bin weder Muslima noch trage ich ein Kopftuch. Aber ich beschäftige mich in meinem Studium mit diesem Thema und finde pauschale Aussagen über das Kopftuch und die Frauen die es tragen unmöglich.

Es gibt nicht DAS Kopftuch oder DIE EINE Aussage, die zum Tragen führt. Es gibt zig Gründe das Kopftuch zu tragen oder es zu lassen. Leider sind Atheisten oft diejenigen, die diskriminieren und zum Atheismus missionieren wollen.

Viele Leute sollten sich erstmal informieren, eh sie solche und ähnliche persönliche Erfahrungen von Frauen mit Kopftuch kommentieren, als wüssten sie alles besser.

 

4.

ich habe bisher keinen anderen Grund ein Kopftuch zu tragen gefunden, als dass eine Frau vielleicht an die Ohren friert. Dafür genügt aber auch eine Mütze o.ä. Ein wirklich religiöser Mensch benötigt so eine Äusserlicheit nicht. Weder ein Kopftuch noch ein Kreuz am Hals. Ein Abgrenzungs symbol gegen die "Ungläubigen"? Völlig unnötig!  In einer früheren Talkshow fragte der Moderator drei musl. Studendinnen warum sie ein Kopftuch trügen. Antwort: Wir fühlen uns so sicherer und beschützter. Wenn Frauen unter einm Kopftuch Schutz und Sicherheit suchen müssen, dann haben sie einen Feind. Da läuft was falsch. Die Leserinnen zuschrift einer Muslima: "Ich trage mein Kopftuch, damit Allah sieht, dass ich ihm gehorsam bin". Das arme Mädchen, gefangen im vorauseilenden Gehorsam. Bei persönl. Fragen an Muslimas bekam ich immer etwas von "unsere Religion" gemurmelt. So richtig wussten sie nicht warum sie ein Kopftuch trugen und freiwillig trugen sie es auch nicht. Kein/e Licht, Luft und Sonne (was ein göttl. Geschenk ist) an die Kopfhaut zu lassen, halte ich für Blasphemie. Unhygienisch ist es auch. Unter dem oberen Kopftuch befindet sich ja meist noch ein festanliegendes Teil. Ich sehe keinen Grund für ein Kopftuch, ausser Gründen die zu hinterfragen keine Freude bereiten würde.

 

5.

Deutschland schafft sich ab. Ich hoffe nur, das Kopftuch bringt den ach so netten Kollegen dann ein Schweineschnitzel!




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