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Stellungnahme zur Studie "Lebenswelten junger Muslime in Deutschland"
02.03.12
Von:  Naika Foroutan mit Tim Müller, Coskun Canan, Rafael Sollorz

Kategorie: GESELLSCHAFT

Zunächst möchte ich festhalten, dass es mir und meinem Forschungsteam an der Humboldt-Universität zu Berlin NICHT möglich ist, eine wissenschaftliche Studie von 760 Seiten innerhalb eines Nachmittages zu lesen und abschließend zu bewerten. Daher ist die folgende Stellungnahme unter Vorbehalt der Richtigstellung zu bewerten, die von unserer Seite erfolgen wird, falls sich bei der tieferen Analyse der Studie ein anderes Bild ergeben sollte, als jenes, welches wir bei einer groben Übersicht nun erhalten haben.


Die heute veröffentlichte Studie „Lebenswelten junger Muslime in Deutschland“, die im Auftrag des Bundesinnenministeriums von einem Team bestehend aus Psychologen, Soziologen und Kommunikationswissenschaftlern der Universitäten Jena, Bremen und Linz angefertigt worden ist, hat sich das Ziel gestellt, das Ausmaß und die Ursachen radikaler Einstellungen und Verhaltensweisen junger Muslime in Deutschland abzubilden und kausal zu erklä-ren. Dabei wird eine große Bandbreite an Themen (Integrations-neigungen, Religiosität, ‚radikale‘ Einstellungen, Einstellungen zur Demokratie, antisemitische und antiwestliche Einstellungen, usw.) mit Hilfe diverser methodischer Herangehensweisen (Auswertung von Umfragedaten, qualitative Interviews, Medienanalysen) untersucht. Anerkennend lässt sich feststellen, dass eine Studie dieses Ausmaßes in Deutschland bisher ein Novum darstellt.

Leider müssen wir aber auch feststellen, dass bei der Bearbeitung dieses sensiblen Themas „weniger mehr gewesen“ wäre. Der Umfang der Studie (sie umfasst 764 Seiten), die Komplexität des Themas und der statistischen Methoden führt dazu, dass die Medien solche Zahlen und Statistiken herausgreifen, die sich besonders griffig zu Schlagzeilen verarbeiten lassen. Die von den Forschern selbst genannten Limitierungen der Studie, hinsichtlich der Repräsentativität und der Interpretation der Ergebnisse, wurden von Bundesinnenminister Friedrich selbst, aber auch von einem Großteil der berichtenden Medien, leider wenig oder gar nicht zur Kenntnis genommen. Zu diesem Zeitpunkt können wir nur eine vorläufige Bewertung ausgewählter Befunde liefern. Eine umfangreichere Stellungnahme zu den Ergebnissen wird voraussichtlich erst in einigen Wochen möglich sein. Folgende Befunde und Vorgehensweisen halten wir aufgrund theoretischer und methodischer Überlegungen für fragwürdig, oder zumindest für klärungsbedürftig.

 

[Die vollständige Stellungnahme kann in der rechten Spalte heruntergeladen werden]

 

Forschungsfrage mit dem Konstrukt der Studie nicht beantwortbar

(...)


Indikatorenauswahl zu Integration zu eindimensional

(...)

 

Die Aussagekraft der gewählten Indikatoren und Erklärungsvariablen ist begrenzt

(...)

 

Repräsentativität nicht gewährleistet

(...)


Kausalität nicht eindeutig gewährleistet

(...)


Indikatorenauswahl und Frageformulierung zu Radikalisierung kritikwürdig

(...)


Populistisches Potential bei Muslimen ähnelt dem Trend der Gesamtbevölkerung

(...)


Studie positiver als die tendenziöse Zusammenfassung suggeriert

(...)

 

Link:

Studie und Zusammenfassung "Lebenswelten junger Muslime in Deutschland": http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2012/02/junge_muslime.html




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